Wie kam's denn dazu?
Kirchliche Entwicklungen in Württemberg

seit 1951 - Teil 2

von Rolf Scheffbuch, Korntal

(abgedruckt in: Lebendige Gemeinde 12/1998)

Die "Stillen im Lande" melden sich zu Wort
(1951 - 1961)

Rolf Scheffbuch Nicht die Pietisten waren es, welche Kontroversen ins Kirchenvolk trugen. Vielmehr war das "andere Evangelium" von manchen Kanzeln zu hören. Es wurde in Religionsstunden laut. Es war in Presseartikeln zu lesen. Es verschonte nicht einmal den Lehrbetrieb im Missionsseminar zu Liebenzell.

Was die Gemeinschaftsleute bewegte, ist zusammengefasst in der Liedzeile: "Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruh'n?" Das war ja keine pietistische, sondern eine gemein-kirchliche Sorge. Aus geistlicher Mitverantwortung für die Gemeindeglieder in Württemberg wandten sich Pietisten hilfesuchend an den Oberkirchenrat. Die im November 1950 verfasste Erklärung von Leitern landeskirchlicher Gemeinschaftsverbände "gegen die Lehren von Professor Dr. Bultmann" wurden vom Oberkirchenrat "verständnisvoll" akzeptiert.

Schon Anfang 1951 stieß Julius Beck nach. Dieser Rektor und Landeskirchentagsabgeordnete sammelte einen Kreis von Repräsentanten württembergischer Gemeinschaftsverbände zur "kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft"; sie wurde zur Keimzelle dessen, was heute die Ludwig-Hofacker-Vereinigung ist. In dieser Arbeitsgemeinschaft entstand das holzschnittartig formulierte Flugblatt "Es geht um die Bibel!" mit seinem immer wiederkehrenden Protest: "Erledigt ist also ...!" In Tübingen wurde dies Flugblatt der Lächerlichkeit preisgegeben. Jedoch der Oberkirchenrat nahm das Anliegen ernst und beauftragte die Tübinger Fakultät mit einem Gutachten. Es erschien dann unter der bezeichnenden Überschrift "Für und wider die Theologie Rudolf Bultmanns". Ein solches "Ja/Aber" hatte Landesbischof Haug nicht im Sinn gehabt. Er ließ darum seine Enttäuschung über die Tübinger Fakultät spüren, ja er spielte auch mit dem Gedanken, seinen von Tübingen verliehenen Ehrendoktor zurückzugeben.

Die "kirchlich-theologische Arbeitsgemeinschaft" bestand aus Theologen und Laien, aus Schlüsselpersonen sowohl des älteren als auch des neueren schwäbischen Pietismus, sowie aus Repräsentanten des kirchlichen Lebens, die gar nicht eigentliche "Pietisten" waren. Es gab Namen, die pars pro toto für das gemeinsame Anliegen standen: Rektor Julius Beck, Fabrikant Hans-Karl Riedel, Missionslehrer Reinhard Hildenbrand, Studiendirektor Emil Schäf, Pfarrer Fritz Grünzweig, Studienrat Dr. Paul Müller, Evangelist Fritz Hubmer, Verleger Friedrich Hänssler, Pfarrer Schick, Gomaringen, Pfarrer Joachim Braun, Tübingen, Landesjugendwart Karl Wezel, Walddorf, Missionsdirektor Lienhard Pflaum, Bad Liebenzell, Rundfunkpfarrer Alfred Ringwald, Tübingen, Pfarrer Walter Tlach, Oberingenieur Fritz Liebrich. Dies gar nicht selbstverständliche Zusammenrücken war das eigentlich Neue. In der Folge führte es auch zu einem engeren Zusammenrücken der württembergischen "Gnadauer".

Es war jedoch nicht nur ein berechtigtes "Anti", das die Mitglieder der "Kirchlich-theologischen Arbeitsgemeinschaft für biblisches Christentum" zusammenband. Mit ihren Erklärungen und "Offenen Briefen" (Oktober 1952 und Neujahr 1961) wollten sie die Kirchenleitung in Oberkirchenrat und Landeskirchentag (Synode) auf ihre Lehrverantwortung hinweisen. Viel wichtiger jedoch war der Arbeitsgemeinschaft das "Pro": Im Oktober 1953 wurde die Arbeitshilfe "Geistliche Kriterien zur Wahl der Kirchengemeinderäte und des Landeskirchentags" veröffentlicht. Im September 1954 gab Studiendirektor Emil Schäf, der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, auf eigene Kosten im Stuttgarter Sonntagsblatt Beiträge heraus unter der Überschrift "Lebendige Gemeinde". Dabei ging es ihm um ein zweites kirchliches Aufbaugymnasium, um Aktivierung von Hausbesuchskreisen, um Belebung der Laien-arbeit, um Rüstzeiten für Pfarrer, um ein duales Ausbildungssystem bei der Pfarrerausbildung.

Am 31. Mai 1956 fand auf Anregung von Walter Tlach die erste Fronleichnamskonferenz als Gemeinschaftsfest ohne Kirchenpolitik statt. All diese Anliegen wurden deutlich verstärkt, als 1965 der Korntaler Pfarrer Fritz Grünzweig zum Leiter der "Arbeitsgemeinschaft" berufen wurde. Grünzweig trat dafür ein, dass sie mit dem neuen Namen "Ludwig-Hofacker-Kreis" das glaubenweckende und glaubenstärkende Anliegen auch nach außen hin signalisiere. Hinein in die Fülle der unterschiedlichen und oft genug auch gegensätzlichen Nachkriegskonzeptionen hatten mit einem Mal bekennende Christen ein vorwärtsweisendes volkskirchliches Konzept eingebracht. Die Stillen im Lande hatten sich unüberhörbar zu Wort gemeldet.


Bekennende gestalten Kirche mit

Auch in anderen Landeskirchen der Bundesrepublik und Westberlins gab es "Bekennende Gruppen", die sich gegen theologische Fehlentwicklungen zu Wort meldeten. Beileibe waren sie nicht alle "evangelikal", also bewusst dem Evangelium verpflichtet und dabei ebenso bewusst missionarisch. Erst recht waren sie nicht alle pietistisch. Sie alle jedoch hatten den Eindruck, dass ihre Heimat-Landeskirchen sich in die falsche Richtung bewegten. Überall drängten starke kirchliche Kräfte, die meist mehrheitlich die Landessynoden prägten, auf umfassende Reformen. Es ging nicht mehr nur um eine den Erfordernissen der Zeit und des sogenannten "modernen Menschen" angepasste Theologie. Sondern es ging um neue Arbeitszweige, neue Methoden, neue Strukturen. Weil die "Welt anders geworden" sei, müsse auch die Kirche anders werden.

Im Rückblick auf jene Jahre zwischen 1965 und 1975 konstatierte Landesbischof Haug: "Theologie und Kirche sind mit dem 'Genossen Trend' marschiert!" Dabei ließen sie sich nicht beirren durch die Zwischenrufe der "Bekennenden Gruppen". Darum ist es kein Wunder, dass es um die "Bekennenden Gemeinschaften" und um die dort zentrale "Bekenntnisbewegung 'Kein anderes Evangelium' " bald stiller wurde - trotz des zuerst stürmischen Aufbruchs mit den Hauptdaten der Bekenntniskundgebung Dortmund 1966 und der "Frankfurter Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission" (1970). Es ermüdet, wenn man scheinbar erfolglos zum Protestieren verurteilt ist, ohne mitgestalten zu können.

Einzig in Württemberg öffnete sich eine Tür zur Mitgestaltung für Christen, die für Bibel und Bekenntnis eintraten. Zwar gehörte damals um 1965 die Parole "mehr Demokratie in der Kirche" auch zum gängigen Trend. Aber im Unterschied zu allen anderen Landeskirchen wurde das schwäbische Kirchen-parlament in Urwahl berufen. Um alles wirklich demokratisch zugehen zu lassen, wurde damals festgelegt, dass sich um jeden Synodalsitz mindestens drei Kandidaten streiten müssen. Dieser Prozedur, die auch oft turbulente Wahl-veranstaltungen einschloss, unterzogen sich nicht wenige Frauen und Männer aus CVJMs, ECs, landeskirchlichen Gemeinschaften und biblisch geprägten Kirchengemeinden.

Als dann Synodalpräsident Oskar Klumpp wegen der gewünschten Effektivität der Synodalarbeit eine Gruppenbildung befürwortete, fand es sich, dass über ein Drittel der Gewählten sich zum Gesprächskreis "Bibel und Bekenntnis" (Vorläufer der heutigen Synodalgruppe "Lebendige Gemeinde") halten wollte; ein weiteres starkes Drittel gehörte dem Gesprächskreis "Evangelium und Kirche" an. Nur eine Minderheit vertrat als "Offener Gesprächskreis" Parolen der radikalen Neuerer.

In der Landessynode ließ sich nach 1965 zuerst die Arbeit hoffnungsvoll an. Weithin gab es theologische Verständigungen und ad-hoc-Koalitionen von "Bibel und Bekenntnis" mit der Gruppe "Evangelium und Kirche". Sie war damals geprägt von Theologen wie Maisch, Class, von Keler, Spambalg. In einem "Wort an die Gemeinden" stellte die Synode ihr Bekenntnis zur leibhaftigen Auferstehung Jesu heraus (Reichenau 1967). Trotzdem ließ es sich gerade in Württemberg nicht vermeiden, dass sich Konflikte aufschaukelten. Im Gegenteil!

Konflikte schaukeln sich auf

Die Entwicklung in Württemberg stand in weltweiten Zusammenhängen. Bischof Dr. Lesslie Newbigin schrieb im Rückblick auf den Umbruch im Weltkirchenrat: "Wir hatten es mit anderen Geistern zu tun. Der Zeitgeist war einfach zu stark!" Nicht einmal die Synode, erst recht nicht der Oberkirchenrat waren in der Lage, das Steuer herumzureißen. Alle Versuche klar-geistlichen Leitens provozierten erst recht den Widerstand.

Darum kamen auch alle synodalen Versuche, Öl beruhigend auf die stürmischen Wogen zu gießen, zu spät. Sie wurden auch kaum mehr ernsthaft von solchen wahrgenommen, die anders dachten. Vielmehr standen die Zeichen auf Sturm. Was über die synodale Urwahl nicht erreicht worden war, sollte nun durch revolutionäre Umwälzung erzielt werden. Wo die Synoden nicht Revolutionäres aufzunehmen bereit waren, wollte die kirchliche außersynodale Opposition nachhelfen. Vergebens rief Altbischof Haug den bei der württembergischen Dekanekonferenz Versammelten zu: "Das Schiff der Kirche muss hinein ins Wasser der Welt. Aber das Wasser der Welt darf nicht ins Schiff der Kirche hineinkommen! Aber ihr habt schon so viel Wasser hineingelassen, ja hinein-gepumpt, dass das Schiff der Kirche seinen Kurs nicht mehr halten kann. Schließt die Luken! Prüft die Geister, ob sie von Gott sind!"

Stattdessen kam die 68er-Revolution. In Tübingen war das Stift vornedran mit dabei. Durch aufgebrachte Stiftler wurde sogar Landesbischof Dr. Erich Eichele am Predigen in der Stiftskirche gehindert. Damalige Tübinger Stiftler störten auch Jugendevangelisationen auf dem flachen Land. Die Vikarsversammlung württembergischer Theologen stellte in der "Esslinger Vikarserklärung" (1969) fest: "Für uns ist die Bibel eben 'ein Gesprächspartner unter anderen'." Als Gegenreaktion rief der damalige Esslinger Dekan Kurt Hennig spontan die "Evangelische Sammlung" ins Leben. Ihr gehörten vor allem Theologen an. Das machte deutlich: Die Pfarrerschaft ist keineswegs durchweg der modernistischen Theologie verschrieben! Aber sie tut schwer damit, sich unter vermeintlich pietistischen Bannern zu sammeln. Diese Erkenntnis führte dann auch dazu, in der Wahlvorbereitungsphase für die Kirchenwahl 1971 unter dem Namen "Lebendige Gemeinde" einen weit über den Pietismus hinausgehenden Kreis solcher zu fassen, die für eine missionarisch werbende Kirche in lebendigen Gemeinden auf dem Boden von Bibel und Bekenntnis eintraten.

In rauhe See geriet auch der Stuttgarter Kirchentag 1969. Die ohnehin aufgepeitschten Wogen wurden aufgeschaukelt durch den plötzlichen Rücktritt von Synodalpräsident Oskar Klumpp. Er hatte behauptet, pietistische Verhandlungspartner hätten ihm den Glauben abgesprochen. Das stimmte zwar nicht. Sogar Landesbischof Dr. Eichele dementierte diese Behauptung. Aber das Stichwort war gefallen. Es entsprach dem simplen Klischee von den unduldsamen Pietisten, die anderen Leuten den Glauben absprechen. Bis heute taucht dieses Klischee als Kampfbegriff auf, um ernstgemeinte und sach-bezogene Vorschläge aus den Reihen der "Lebendigen Gemeinde" zu diskreditieren.

Umso erstaunlicher war dann das Ergebnis der Synodalwahl 1971: Die Gruppe "Lebendige Gemeinde", vom damaligen Stiftskirchenpfarrer Theo Sorg angeführt, errang die absolute Mehrheit der 90 Synodalsitze. Eine Zeitung berichtete davon unter der Schlagzeile: "Erdrutschsieg der Pietisten!" Eine andere Zeitung machte es noch deftiger: "Pietcong vor den Toren!" So wurde der Pietismus schreckenerregend in die Nähe der subversiven Guerillataktik des Vietcong gebracht.

Solche Deutungen waren zerstörerisch. Es wurde zum pietistischen Sonderanliegen deklassiert, was doch gemeinkirchliches Grundanliegen war, nämlich dass Kirche wirklich Kirche Jesu Christi sein und bleiben muss. Es war unangemessen und unzutreffend, den Gesprächskreis "Lebendige Gemeinde" als "pietistisch" zu titulieren; denn es geht diesem Gesprächskreis bis heute um das umfassend kirchliche Anliegen, dass die Kirche bei ihrem Grundbekenntnis bleibt, so wie es in der Verfassung der Kirche ausgesprochen ist. Dazuhin hat der Begriff "pietistisch" in der Öffentlichkeit den negativen Beigeschmack, den ihm schwäbische Tagesmedien beizulegen nicht müde werden. Sie bezeichnen unzutreffend das als "pietistisch", was ihnen als eng, muffig und geistlos vorkommt.

Aber das war erst der Anfang. Konsequent konzentrierte ab 1971 das revolutionäre Potential der württembergischen Kirche seine Angriffe auf die, wie sie sagten, "pietistische Mehrheit" der Synode. Der Gipfel des Widerstandes wurde erreicht, als 1976 mehr als zweihundert Pfarrer erklärten: Die von der Synode beschlossene "Anleitung zum Konfirmandenunterricht" werden wir nicht übernehmen! Die Revolutionäre, die der Synodalmehrheit permanent "Machtmissbrauch" vorgeworfen hatten, übten nun selbst außersynodalen Machtmissbrauch aus. Da der Oberkirchenrat schon damals nicht daran dachte, angesichts des Ungehorsams irgendwelche disziplinarrechtlichen Konsequenzen zu ziehen, wurde offenkundig: Man darf ungestraft, ja unbehelligt klare Beschlüsse des legislativen kirchlichen Organs unterlaufen.

Die Diffamierungskampagne ging noch weiter: Die bekennenden Christen in Württemberg hatten bewusst darauf verzichtet, für ihre besonderen Anliegen Synodalrückendeckung und landeskirchliche Gelder in Anspruch zu nehmen. Vielmehr bauten sie eigene "freie Werke" auf für das, was ihnen notwendig zu sein schien; dazu benützten sie eigene Opfer und Spenden. Also für das Tübinger Albrecht-Bengel-Haus, die Hofacker-Konferenzen und Stuttgarter Gemeindetage, die Hilfsorganisation "Hilfe für Brüder" samt "Christliche Fachkräfte", die Abendbibelschulen, Publikationen und Vortragsreihen. So wollten die bekennenden Christen ihre pastoralen Anliegen und Gaben in die Gesamtkirche zum Nutzen aller einbringen - eben nicht via synodale "Macht-politik". Aber genau das wurde ihnen durch württembergische Theologen unterstellt: "Jetzt bauen sie mit den 'Parallelstrukturen' ihre eigene Kirche auf!" Wieder einmal wurde das Schreckgespenst pietistischer Kirchenspalterei an die Wand gemalt.

Außerhalb von Württemberg sprach man über die "unselige Zerrissenheit" der fraktionierten Landessynode. Dabei wurde übersehen: Noch schlimmer als die Fraktionierung der Synode war die außersynodale Spannung zwischen der synodalen Mehrheit und der außersynodalen revolutionären Gruppe in der Pfarrerschaft. Nicht selten schien es sogar so, als ob die sonst so individualistisch gewordene Pfarrerschaft geeint würde durch gemeinsame Aversion gegenüber einer "pietistisch gegängelten Kirche". Bekennende Gruppen und Pfarrerschaft machten sich immer mehr gegenseitig das Leben schwer.

In dies Netz des Kirchenpolitischen wurde auch die Kirchenleitung verfangen. Das Übergewicht des synodalen und auch außersynodalen Kirchenpolitischen hat für Landesbischof und Oberkirchenrat den Weg schwieriger gemacht. Der Oberkirchenrat tut sich schwer damit, einen notwendigen Gesetzesentwurf vorzulegen, wenn er angesichts der derzeitigen Koalitionsmehrheitsverhältnisse in der Synode zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Wenn der Oberkirchenrat weise Personalvorschläge für Leitungsaufgaben macht, welche Verantwortung für die Gesamtkirche zeigen, muss er damit rechnen, dass sie von der derzeitigen Mehrheit im Landeskirchenausschuss zunichte gemacht werden. Das Kräftespiel im Bischofswahlgremium, aus Synode samt Oberkirchenrat gebildet, lässt seit Jahren nur noch unter größten Mühen die Wahl eines Bischofs zu. Das Oberkirchenratskollegium hat sich darauf eingestellt, dass der Landesbischof weniger ein eigenes und unabhängiges Verfassungsorgan sein soll, sondern vielmehr der Sprecher der jeweiligen Kollegialmehrheit. Als Bischöfe wie Hans von Keler und Theo Sorg dann und wann ein Ausbrechen versuchten, wurden sie hart ausgebremst.

Dazu kommt das andere, was zur Ohnmacht des Oberkirchenrats führt. Schon vor Jahren hat Landesbischof Haug zum Thema "Kirchenleitung" geschrieben: "Es fehlt den Leitenden das Wollen zu bewusstem Leiten; den Visitierten fehlt die Bereitschaft, sich korrigieren und leiten zu lassen!" Das ist die andere Ohnmacht der kirchenleitenden Persönlichkeiten, die sie Tag um Tag zu spüren bekommen.


Wie geht es weiter?

Der Dienst der Ludwig-Hofacker-Vereinigung wird erst recht noch gebraucht werden. Um uns herum sehnt sich eine Welt nach "Erlösung". Viele der modernen Schriftsteller reden davon. Sie decken hellsichtig auf, was an verborgenen Sehnsüchten in den Seelen der Menschen schlummert: Sehnsucht nach Erlösung von Krankheit, Scheitern und Not. Aber auch nach Erlösung von Nichtigem, vom Bösen, von Schuld, von Gier, von Selbstsucht, von dem Hin- und Hergerissensein zwischen Selbstanklagen und Selbstbestätigung, ja - von der Gottesferne. Wir wollen in der Ludwig-Hofacker-Vereinigung Leute sein, die selbst ganz dringend Erlösung brauchen und darum auch glaubhaft vom Erlöser Jesus Christus reden können. So, dass man uns abspürt: Für uns gibt es nichts Wichtigeres!

Weltweit nimmt das Interesse ab an großen Kirchenorganisationen. Aber die konkret am Ort um das Wort vom Erlöser Jesus sich sammelnde Gemeinde hat Zukunft. Die Ludwig-Hofacker-Vereinigung hat bewusst darauf verzichtet, eine besondere Organisation zu sein, ein Super-Gemeinschaftsverband, so etwas wie eine Kirche. Die Hofacker-Bewegung wollte vielmehr Mut machen zu "lebendigen Gemeinden" vor Ort. Zu "württembergischen" lebendigen Gemeinden, nicht zu irgendeinem Abklatsch anderer Konzepte! Das wird in Zukunft erst recht wichtig werden. Gemeinden sind nun einmal keine Verfügungsmasse, die man aus Verwaltungs- oder Finanzgründen hin- und herschieben darf.

Um der Menschen willen dürfen die großen missionarischen Möglichkeiten der Volkskirche nicht rasch aufgegeben werden. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, wie heute Gemeinde Jesu in der Volkskirche bewahrt und neu gewollt werden kann. Es muss das getan werden, was Verheissung hat: Menschen zu Jesus und zu seiner Gemeinde zu rufen, und das auf dem Fundament von Bibel und Bekenntnis.

Wer auch immer sich darum bemüht, wird oft verlachter Aussenseiter bleiben. Denn auch in Zukunft wird mit mancher "anti-evangelikaler" Aversion zu rechnen sein. Ihr Aufschaukeln habe ich darzustellen versucht. Doch hält das "Laufen im Kampf, der uns verordnet ist" erstaunlich munter. Sogar das Anstrampeln gegen heftigen Gegenwind. Noch munterer soll uns jedoch erhalten das gespannte Warten auf die Zeit, da der Herr die Gefangenen seines Volkes wirklich erlösen wird. Da werden wir dann sein wir Träumende.