Rückblick auf die 13. Landessynode

Otto Schaudevon Rektor Otto Schaude
auf der Ludwig-Hofacker-Jahrestagung am 3. Februar 2007

Die 13. Landessynode geht auf die Zielgerade zu – Anlass genug für einen kleinen Rückblick. Einige wenige Scheinwerfer sollen auf diese Legislaturperiode geworfen werden.

Allgemeine Eindrücke

In der 12. Landessynode in den Jahren 1996-2001 hatte unser Gesprächskreis »Lebendige Gemeinde« 34 von 94 Mandaten. Nach der Wahl im Jahr 2001 waren es 43 von 91, nach Zuwahlen waren es 45 von 96. Scheinbar war nun alles leichter – aber die Gefahr, dass die anderen Gesprächskreise gegen uns grundsätzlich mauern, war sehr groß – gerade in der Anfangszeit.

Im Vergleich mit den Vorgängersynoden hat sich jedoch das Klima positiv gewandelt. Inhaltlich konnte durch die Stärke der Lebendigen Gemeinde manches Thema eher bestimmt und uns wichtige Akzente gesetzt werden.

Eine deutliche Priorität zentraler kirchlicher Themen wurde möglich. Beispielsweise ist das Wort Evangelisation nicht mehr ausschließlich ein Buh-Wort – die Sache findet deutlich mehr Verständnis und Zustimmung. Gegenüber den 70iger und 80iger Jahren ist die »Tagesordnung der Welt« in den Hintergrund getreten. Die zurückgehenden Finanzen oder starke missionarische Herausforderungen werden von den anderen Gesprächskreisen zunehmend erkannt und gemeinsam suchten wir nach Lösungen, auch wenn sich dabei immer wieder unterschiedliche theologische Ansätze zeigten.

Dr. Gerhard Maier wie auch unser jetziger Landesbischof Frank Otfried July haben in ihrer auf Ausgleich bedachten und gewinnenden Art viel zu einer guten Atmosphäre in der Synode beigetragen – so wie auch Präsident Horst Neugart mit seiner feinfühligen und kompetenten Sitzungsleitung.

Miteinander haben wir gute Ergebnisse erreicht

Beispielhaft für das neue Miteinander ist das regelmäßige Treffen der Gesprächskreisleitungen. Dadurch wird Verständnis für unsere Anliegen geweckt und durch dieses »Vor-Verständnis« viel an Schärfe in den Debatten herausgenommen. Früher war das eigentlich undenkbar.

Dadurch wendete sich langsam, manchmal überraschend deutlich, das Blatt. Wir haben also im Vorfeld oft Entscheidendes erreicht und bewegt – was nirgends in der Presse erwähnt werden kann. Ja, es war bisweilen so, dass in der abschließenden Debatte im Plenum noch einmal schwere Geschütze und auch Polemik gegen unsere Vorlagen vorgebracht wurden. Durch ruhige, sachlich vorgetragene Argumente wurden die Debatten immer sachlicher, so dass am Schluss öfter doch überraschend deutliche Mehrheiten erreicht wurden.

Zum Beispiel das Anliegen »Wachsende Kirche« oder die Schlussabstimmung über die Broschüre »Daran glauben wir« oder die Diskussion über die Erklärung »Zur Würde des Menschen und zum Schutze des Lebens«.

Sehr dankbar sind wir auch für unseren Gesprächskreis Lebendige Gemeinde. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn heute erfinden. Dazu gehört auch das gute und unkomplizierte Miteinander im Leitungskreis – gemeinsam mit Volker Teich, Steffen Kern, Christel Hausding, Tabea Dölker und Andreas Schäffer.

Der Start in die 13. Synode war nicht leicht

Fast zwei Drittel der Synodalen war neu. Es braucht eben eine gehörige Anlaufzeit, um die Vielfalt und Komplexität der Aufgaben einigermaßen auf die Reihe zu bekommen.

Dominiert wurde der Start der Synode vor allem durch vorgegebene Themen und Projekte des Oberkirchenrates, vor allem auch durch viele Finanz- und Strukturdebatten: Wirtschaftliches Handeln; Personalentwicklung; Gesamtkonzept der Sparmaßnahmen; Bildungskonzept; Pfarrplan II, Immobilienkonzept und veränderte Haushaltsstruktur.

Projekte, Finanzen, Strukturen: Manche wollten daran erliegen. Allmählich wendete sich jedoch das Blatt, und wir konnten stärker inhaltliche Akzente setzen – immer mehr und immer stärker im Blick auf zentrale Fragen des Glaubens. Die Synode nahm deutlich das Geschehen stärker in die Hand. Im zweiten Teil beherrschten vor allem unsere Themenstellungen das Geschehen.

Angetreten sind wir 2001 mit dem Motto "glauben – hoffen – lieben". Wir wollten diese biblischen Grundbegriffe ins Visier nehmen und deren Umsetzung in der Kirche stärken. Beispielhaft soll herausgenommen werden: glauben. Hier haben wir Akzente gesetzt:
  • durch die Broschüre »Daran glauben wir«
  • durch das Schwerpunktthema »Wachsende Kirche«
  • durch unsere Argumente in der Diskussion um den Islam.

Einige Einzelheiten und Themen

a) Bischofswahl
Ein wichtiger Punkt war die gelungene Bischofswahl. Das wurde möglich durch intensive Gespräche im Vorfeld und durch ein gutes Miteinander mit der Leitung von Evangelium und Kirche sowie durch vorbereitende Gespräche mit dem jetzigen Bischof. Diese Wahl hat sich nachhaltig auf die Zukunft ausgewirkt – vor allem die überraschende Zweidrittelmehrheit schon im ersten Wahlgang, was die gesamte Presse völlig überraschte, die wieder auf einen Wahlmarathon eingestellt war. Wir sind für unseren Bischof Frank Otfried July sehr dankbar. Wir haben einen engen Kontakt und regelmäßige Gespräche und sehen, dass er sein Amt entschlossen und bewusst wahrnimmt.

b) Daran glauben wir
Die Broschüre »Daran glauben wir« war einerseits angeregt durch unseren Landesbischof Dr. Gerhard Maier, dem es wichtig war, einen Grundkonsens für die wesentlichen Glaubensaussagen in unserer Kirche herzustellen. Dazu kam ein Antrag von Seiten der Lebendigen Gemeinde, unseren Gemeinden eine einfache, biblisch profilierte Zusammenfassung unserer Glaubensinhalte an die Hand zu geben. Der Oberkirchenrat legte einen Entwurf vor. Von Seiten zahlreicher Gruppen, Einrichtungen und Werken der Kirche sowie vielen Einzelpersonen kam eine Unmenge von Zuschriften und Vorschlägen – oft widersprüchlichster Art. Schließlich hat der Theologische Ausschuss unter dem Vorsitz von Dekan Ulrich Mack – jetzt Prälat in Stuttgart – die Broschüre bis in Detail durchdiskutiert und den Text der Synode vorgelegt, der dort eine große Mehrheit fand. Ein wirklich gelungenes Werk, das gerade in Haus- und Gesprächskreisen oder bei Begegnungen mit Personen, die der Kirche nicht sehr nahe stehen, eine gute Hilfe sein kann.

Schwerpunkttagung Zukunftsmodell Familie

Es war eine intensive Arbeit, diese Schwerpunkttagung vorzubereiten. Hier wurde jedoch deutlich: Es gilt einerseits gefährliche Trends abzuwehren, andererseits klare eigene Positionen zu setzen. Immer stehen wir in dieser doppelten Aufgabe:
  • falschen Entwicklungen zu wehren und
  • positive Entwicklungen in Gang zu setzen.
Bei dieser Sitzung ging es darum, dass dieses Thema nicht plötzlich mit der Thematik »Alternative Lebensformen« besetzt wurde und das Thema Homosexualität durch die Hintertüre in die Synode kam. Wiederholt wurde das in den zurückliegenden Jahren versucht. Bis heute gilt der Beschluss der Synode von 1995 : »Eine Segnung homophiler Paare findet in der württembergischen Kirche nicht statt.« Viele in unserer Kirche wissen nicht, dass es diesen bindenden Beschluss gibt. Wir konnten verhindern, dass die gleichgeschlechtliche Partnerschaft als eine gleichberechtigte Form der Familie in die Erklärung aufgenommen wurde.

Dagegen wurde mit Mehrheit festgehalten:
  • Ermutigung zur Ehe und - Ermutigung zu Kindern
  • Weitergabe des Glaubens als eine wesentliche Aufgabe der Familie.
Drei Dinge sind noch erwähnenswert, die eher eine langfristige Auswirkung haben:

a) Der kirchliche Lehrgang für den Pfarrdienst – der pfarramtliche Hilfsdienst – geht weiter.
Es ist wichtig, dass Menschen mit Glaubens- und Lebenserfahrung auch in späteren Jahren noch einen Zugang ins Pfarramt haben.

b) Der regelmäßige Bericht des Oberkirchenrats über verfolgte Christen.
Ein bleibendes Thema, das Öffentlichkeit benötigt. Von der vorletzten Synode beschlossen, wird jedes Jahr vor der Synode dieser Bericht gehalten, auch um der Fürbitte willen.

c) Der positive Einfluss der letzten Synode in der Diskussion um die Ladenschlusszeiten.
Das geschlossene, einmütige Auftreten der Synode hat entscheidend dazu beigetragen, dass – im Gegensatz zum Wunsch des Koalitionspartners FDP und Ministerpräsident Oettinger – kein Adventssonntag als verkaufsoffener Sonntag zukünftig freigegeben wird.

Wir Synodale verstehen uns als beauftragte Brüder und Schwestern auf dem Parkett der Kirchenpolitik, die ein geistliches Amt inne haben. Deshalb bitten wir für diese Arbeit um ihr Begleiten in der Fürbitte und auch immer wieder um ein ermutigendes Wort unserer Freunde.
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