Bericht von der 12. Synode 1995-2001

von Dr. Christel Hausding
auf der Ludwig-Hofacker-Jahrestagung am 3. Februar 2001





Dr. Christel Hausding Kürzlich bemerkte mein Mann: „Du bist nicht für alles verantwortlich, was in dieser Kirche schief läuft!“ Das hat mir gut getan. Wir werden die Kirche insgesamt nicht verändern. Die moderne Theologie ist drin und ist sowenig wieder einzufangen, wie man Zahnpasta in die Tube zurück drücken kann. Die Kirche ist so, wie sie ist. Aber wir wollen in ihr Verantwortung übernehmen und nach Kräften mitarbeiten. Wir können viel tun, um die Mitte zu stärken und immer wieder an die geistlichen Grundlagen zu erinnern und an den Auftrag, den wir als Kirche von Gott haben. Also: das Gute stärken und der Verwirrung und Verflachung wehren! Das versuchen wir als LG [Lebendige Gemeinde]. Und da bleiben wir dran.


Bischofswahl

Das aktuelle Thema, das schon seit Wochen die Gemüter bewegt, ist die so schwierige Bischofswahl. Es waren ganz verschiedene Gründe, die immer wieder einen Erfolg verhindert haben.

Im vergangenen Frühjahr ist die Änderung des Bischofswahlgesetzes gescheitert. Nach einem Antrag der OK [Offene Kirche] sollten nicht mehr Synode und OKR [Oberkirchenrat], sondern nur noch die Synode den Bischof wählen. Die LG wollte ganz überwiegend, daß der OKR weiterhin mit wählt. Die Änderung verfehlte nur knapp die notwendige Zweidrittelmehrheit. Danach waren die Unterlegenen verstimmt und ließen dann auch noch die andere Neuerung scheitern, die vorsah, daß nach jeweils zwei Wahlgängen automatisch der Kandidat mit den wenigsten Stimmen ausscheidet. Nun blieb also alles beim alten. Das wirkte sich bei der Wahl Ende November ungünstig aus. Das anfängliche Taktieren wäre so verhindert worden. Möglicherweise wäre auch so kein Ergebnis zustande gekommen, aber die Wahl wäre auf jeden Fall abgekürzt worden.

Es ist viel über die Vorbereitungen der Bischofswahl geredet und geschrieben und dabei auch viel Unsinn verbreitet worden. So ist es einfach nicht wahr, daß wir zwischen den synodalen Gruppen nicht oder zu wenig miteinander geredet hätten. Das Gesprächsklima ist derzeit ausgesprochen gut, offen und vertrauensvoll. Es stimmt ebensowenig, daß wir uns im kirchenpolitischen Gerangel nicht auf einen Kandidaten einigen konnten.

Anfangs haben wir von der LG versucht, mit E+K [Evangelium und Kirche] zusammen einen Kandidaten zu finden. Das ist nicht gelungen, weil Personen, die in beiden Gruppen Zustimmung gefunden hätten, abgesagt haben. Schließlich präsentierte E+K Prälat Klumpp. Das war für uns schwierig, da konnten wir nicht mit. Damit war klar, daß die LG mit einem eigenen Kandidaten in die Wahl gehen würde. Wir waren froh, daß wir mit Dekan Ulrich Mack nicht nur einen Mann mit Befähigung zur Kirchenleitung haben, sondern daß er dann auch bereit war, in die Wahl zu gehen. Ulrich Mack ist an dieser Aufgabe gewachsen und hat bei den zahlreichen Vorstellungen einen guten Eindruck gemacht. Da sich auch die Offene Kirche nicht hinter Prälat Klumpp stellte, kam es dazu, daß doch wieder jede Gruppe einen eigenen Kandidaten benannte. Damit war auch wieder ein Scheitern möglich.

In dem Wahlgremium aus Synode und OKR hat im Moment keine Gruppe eine Sperrminorität. Die LG ist mit 34 die größte Gruppe, aber auch wir können allein niemanden verhindern. Deshalb wußte man vor dem Wahlgang wirklich nicht, wie es ausgeht. – Prognosen sind kaum möglich. Es ist eine geheime Wahl; letztlich ist jeder frei in seiner Stimmabgabe. Und jede Wahl hat ihre eigene Dynamik. Man weiß nicht, wie die Dinge sich entwickeln. Der Druck, zu einem Ergebnis zu kommen, wird immer stärker. Wir hatten vorher deutlich gesagt, daß Prälat Klumpp, wenn er am Ende übrig bliebe, etwa 3-4 Stimmen aus der LG bekommen würde, mehr nicht. Wir haben uns so verhalten, wie vorher angekündigt. Im letzten Wahlgang hat er 43 Gegenstimmen bekommen; die Ablehnung reichte also weit über unseren Gesprächskreis hinaus.

Danach herrschte Enttäuschung über die gescheiterte Wahl, besonders natürlich bei E+K. Jetzt hat jede Gruppe einmal erlebt, daß ihr Kandidat als letzter noch im Rennen war und dann doch nicht gewählt wurde. Nach diesen Erfahrungen sind nun alle motiviert, das Bischofswahlgesetz zu ändern, möglichst noch in dieser Synode. Die Atmosphäre war danach aber nicht belastet; es ging ruhig und sachlich weiter.

Für den Ablauf der Wahl ist der Nominierungsausschuß zuständig, und zwar bis zum erfolgreichen Abschluß. In diesem Ausschuß sind die Leitungen der Gesprächskreise vertreten, von uns Otto Schaude und ich, und drei Mitglieder des OKR. Bis dahin hatte sich der OKR ganz zurückgehalten, spielte dann aber eine konstruktive Rolle.

Der Nominierungsausschuß war nun wieder gefordert. Wir beschlossen, nur noch mit einem Kandidaten in die Wahl zu gehen. Dann haben wir uns erstaunlich rasch geeinigt, wen wir um die Kandidatur bitten wollten. Aber derjenige hat abgesagt. Das Ganze wiederholte sich zu Beginn des Jahres noch einmal: Beratungen, Einigung auf eine Person, Anfrage, und wir er-hielten wiederum eine Absage. So zog sich die Sache hin. Die Möglichkeiten wurden immer weniger, der Druck nahm zu. Wir dachten schon, wir würden diese Aufgabe nie mehr los. Und dann haben wir uns in großer Einmütigkeit darauf verständigt, Dr. Gerhard Maier anzufragen – und er hat &Mac226;ja‘ gesagt. Nach gründlichen Gesprächen mit allen Gruppen hat der Nominierung-sausschuß ihn einstimmig benannt. Die Wahl soll am 14. Februar erfolgen.

Wir freuen uns sehr, daß Gerhard Maier Bischof werden soll. Aus vielen gemeinsamen Jahren in der Synode, aus Predigten, Vorträgen und Veröffentlichungen kennen wir ihn sehr gut und schätzen ihn sehr. Gott hat ihn mit vielen Gaben für dieses Amt ausgestattet und er hat ihm den Weg bis hierher gebahnt. Er wird ein Bischof der ganzen Kirche sein.

Ich möchte es ganz deutlich sagen: das ist kein Erfolg der LG! Wir wollen uns nichts zurechnen, was uns nicht gebührt. Daß wir jetzt dahin gekommen sind, ist nie und nimmer unserem Verhandlungsgeschick zu verdanken. Als kleine Minderheit in dem Nominierungsausschuß lag diese Möglichkeit völlig außerhalb unserer Reichweite. Aber viele im Land haben seit Wochen und Monaten für die Bischofswahl gebetet. Sie ist noch nicht zu Ende. Beten Sie weiter, daß es jetzt zügig zu einem guten Abschluß kommt. Und danken Sie Gott. Es ist wahr: er kann Menschenherzen lenken und er kann einen Nominierungsausschuß aus der Sackgasse führen.

Nun hatte die Synode auch noch anderes zu bieten. Als ich die Arbeit der 12. Synode noch mal Revue passieren ließ, fiel mir auf, daß man die einzelnen Ergebnisse nicht einfach in die Schubladen „Erfolg“ oder „Mißerfolg“ ablegen kann: Das haben wir erreicht, dort sind wir unterlegen. Oft war in einem Arbeitsergebnis beides enthalten. Ich will versuchen, Ihnen einen Überblick zu geben, was wir in dieser Synode erreicht haben und was unbefriedigend blieb.


Was haben wir erreicht?

Die Ziele der LG sind:
  • die Gemeinde vor Ort stärken
  • Initiativen fördern, durch die Menschen zum Glauben eingeladen und im Glauben gestärkt werden
  • ein besonderer Akzent liegt für uns auf der Jugendarbeit
  • die Kirche soll in ethischen Fragen Orientierung geben.
Schwerpunkttagungen

Zu Beginn dieser Synodalperiode hat die LG drei Schwerpunkttagungen der Synode initiiert:
Die erste war 'Öffentlichkeitsarbeit der Kirche und Weitergabe des Evangeliums in den Medien'. Unser Anliegen war, die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche so zu verbessern, daß das Profil der Kirche deutlicher wird. In der Öffentlichkeit soll klar werden, was Kirche ist und will. Deshalb haben wir bewußt die Weitergabe des Evangeliums in die Aufgabenstellung einbezogen. Wir wollen nicht in erster Linie für die Kirche werben, sondern Ver-trau-en schaffen und stärken, um damit dem Evangelium den Weg zu bereiten.


Bei einer weiteren Tagung ging es um Das Wort vom Kreuz. Sie fand als Klausur in Untermarchtal statt und hatte das Thema: „Das Ärgernis des Kreuzes – Leben, Tod und Auferste-hung Jesu in ihrer Bedeutung für unseren Glauben heute“. Unsere ursprüngliche Absicht war, in einem Wort an die Gemeinden die Botschaft des Evangeliums noch einmal knapp und klar zu formulieren und so mancher Unsicherheit und Verwirrung zu wehren. Wir dachten, es müßte doch möglich sein, sich im Zentrum des christlichen Glaubens zusammenzufinden und sich auf ein solches Wort zu einigen. Wie Sie wissen, ist das nicht gelungen.

Wir hörten drei gegensätzliche Referate; und es gab intensive Gespräche in Arbeitsgruppen. Es war insofern eine gute Tagung, als unter Ausschluß der Öffentlichkeit ein sehr offener Austausch unter den Synodalen möglich war. Das aufmerksame Zuhören, die Achtung vor der Haltung des anderen, das gemeinsame Ringen waren auf jeden Fall wertvoll.

Schließlich wurde aber deutlich, daß die Positionen so weit auseinander liegen, daß kein gemeinsames Wort möglich war. Für uns von der LG war diese Einsicht bitter. Wir waren schnell einig, daß wir nun nicht mehr auf ein gemeinsames Wort drängen wollten. Dafür braucht man eine Mehrheit. Es hätte nur ein letztlich nichtssagender Kompromiß heraus kommen können. Wir sind sonst überall kompromißbereit, aber an dieser Stelle nicht. Das Wort vom Kreuz darf nicht stromlinienförmig gemacht werden, damit niemand Anstoß nimmt. Um der Ehre Gottes und des Heils der Menschen willen darf das nicht sein.

Nachdem die Referate der Tagung in einer Dokumentation veröffentlicht worden waren, hat die LG eine eigene Stellungnahme zur Bedeutung des Kreuzes Jesu abgegeben. Bereits vor dieser Tagung war ein Buch „Warum das Kreuz?“ mit Beiträgen der Lehrer des Albrecht-Bengel-Hauses erschienen. Und wir blieben weiter dran an dem so grundlegend wichtigen Thema. Als Antwort auf die Veröffentlichung der Synode erschien eine Schrift des Theologischen Arbeitskreises in Tübingen: „Das Wort vom Kreuz ist eine Gotteskraft“.


Der dritte von uns beantragte Schwerpunkt war die Evangelische Jugendarbeit. Der Ausschuß für Bildung und Jugend unter Leitung von Otto Schaude hat die Tagung zum Thema „Nicht ohne – junge Menschen und Kirche“ vorbereitet. Dabei waren alle Werke und Verbände einbezogen, die im Rahmen der Evang. Landeskirche in Württemberg Jugendarbeit betreiben. Bei der Synode waren 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Jugendarbeit aktiv beteiligt. Als Ergebnis wurden Zehn Zumutungen formuliert, Anregungen und Forderungen für die Gestaltung von Gemeinde- und Jugendarbeit. Sie haben einen erstaunlichen Prozeß der Weiterarbeit ist in Gang gebracht. Bei der kommenden Frühjahrssynode soll eine Zwischenbilanz gezogen werden.


Bei weiteren großen Vorhaben kam der Anstoß aus den anderen Gruppen oder vom OKR, aber wir konnten von der LG unsere Anliegen einbringen und deutliche Akzente setzen:

So z.B. bei der neuen Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit. Sie wird große Auswirkungen haben. Der Unterricht wird durch zahlreiche Angebote erweitert wie Freizeiten und Mitarbeit in diakonischen Einrichtungen. Im einem Modellversuch 3/8 kann bereits im 3. Schuljahr mit dem Unterricht begonnen werden kann. Es ist keine Anordnung, sondern eine Anregung, die neue Form in den Gemeinden zu erproben. Jeder KGR kann eigenständig darüber entscheiden.


Beim Schwerpunktthema Evang. Erwachsenenbildung war Grundlage der Beratungen ein Referat von Prof. Ernst Nipkow "Verpflichtende Überlieferung – ungenutzte Zukunftschancen‘. Er sprach sich für die Mission als zukünftiges Aufgabenfeld der evangelischen Erwachsenenbildung aus. Indem die Erwachsenenbildung jene erreicht, die den Kontakt zur Kerngemeinde verloren haben, ist sie eine wesentliche Form missionarischer Verkündigung. Er betonte, daß in der kirchlichen Erwachsenenbildung jedes Thema aufgenommen werden könne, daß sie sich aber darin von allen anderen Angeboten der Erwachsenenbildung zu unterscheiden habe, daß hier das Evangelium zur Sprache komme. Erst dann handelt es sich um Evang. Erwachsenenbildung, die der Kirche aufgetragen und unverzichtbar ist.

Die kirchlichen Bildungsangebote haben eine steigende Anziehungskraft und verzeichneten in den vergangenen Jahren zunehmende Teilnehmerzahlen. Sie stellen also eine große Chance dar. – Es wurde eine neue Entschließung zur Evang. Erwachsenenbildung verabschiedet.


Ein weiteres wichtiges Anliegen war für uns, daß die Bildung von Gemeinschaftsgemeinden ermöglicht wird. Der OKR hat eine Rahmenvereinbarung erarbeitet „Grundsätze zur Bildung von Gemeinschaftsgemeinden innerhalb der Ev. Landeskirche in Württemberg“. Auf dieser Grundlage werden Verhandlungen geführt, wenn einzelne örtliche Gemeinschaften den Status einer Gemeinde anstreben. Zunächst gab es von Seiten der OK, aber auch von E+K erhebliche Widerstände. Es mußten viele Mißverständnisse und Vorbehalte ausgeräumt werden. Die Parochie wird auch weiterhin die Grundform der Kirchengemeinde bleiben. Dieses flächendeckende System will niemand verändern. Aber daneben soll es in Zukunft auch Gemeinden anderer Form und je eigener Prägung geben. Dazu soll es innerhalb der Landeskirche die nötige Freiheit geben. Schließlich gab es in der Synode eine erfreulich hohe Zustimmung zu dieser Vereinbarung.


Weitere gute Erfahrungen verbinden wir mit der Ökumene-Tagung: „Die Landeskirche in der weltweiten Kirche – Unsere Mitarbeit in Mission, Ökumene und kirchlichem Entwicklungsdienst“, mit dem Projekt „Wirtschaftliches Handeln in der Kirche“ und den Diskussionen um den Pfarrplan.


Erfolg oder Niederlage? Diese Frage läßt sich am wenigsten beantworten im Hinblick auf die Erklärung „Christen und Juden“. Die ergebnislose Klausurtagung zum „Wort vom Kreuz“ lag bereits hinter uns. Nach dieser Erfahrung sollte jetzt unbedingt ein Ergebnis erzielt werden. Dabei hätte die Synode zu dieser Zeit und bei diesem Beratungsstand sicher besser geschwiegen. Der Inhalt der Erklärung ist insgesamt gut. Die LG hatte drei Ziele, die sich in der Erklärung wiederfinden: 1. das Zeugnis von Christus gilt allen Menschen, Juden und Heiden, 2. Anerkennung der messianischen Juden und ihrer Gemeinden, 3. keine Verurteilung des EDI [Evangeliumsdienst für Israel].

Aber dann erhielt der Nachsatz, der als Votum einer Minderheit eingebracht wurde, eine hauchdünne Mehrheit: „Mission unter Juden lehnen wir ab.“ Damit ist die Erklärung in sich widersprüchlich geworden. Es lohnt sich immer noch, den Text zu studieren und ihn als Grundlage für weitere Gespräche zu nutzen. Für eine intensive Arbeit ist er geeignet, aber in der Öffentlichkeit, die immer nur einen Grundtenor aufnimmt – welchen denn nun? - stiftet er Verwirrung. Ein solches Wort kann keine Orientierung geben.


Was konnten wir verhindern?

Mit der Biberacher Erklärung im Rahmen der Tagung „Gerechtigkeit und Barmherzigkeit - Arme und arbeitslose Menschen in unserer Mitte“ waren wir von der LG ganz und gar nicht einverstanden. Das Papier enthielt steile sozialpolitische Forderungen, und hätte in der ursprünglichen Fassung auch von einer Gewerkschaft verfaßt sein können. Uns fehlte aber vor allem die geistliche Begründung in diesem Wort. Da wir mit unserem Widerspruch nicht allein standen, sondern auch von E+K und aus dem OKR große Bedenken laut wurden, war klar, daß dieses Wort keine Mehrheit finden würde. Ein Redaktionsteam hat dann noch während der Tagung in Biberach eine neue Entschließung erarbeitet, die wirklichkeitsnah und ausgewogen war und schließlich einstimmig angenommen wurde.


Verhindern konnten wir auch die Umsetzung der Leitlinien des ökumenischen Frauenkongresses. Bei dem Kongreß in Ludwigsburg hatten Frauen aus verschiedenen Kirchen ein Papier verabschiedet, das eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Forderungen enthielt: eintreten für die Opfer sexueller Gewalt, mehr Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, mehr Einfluß von Frauen auf die Medien, aber auch Förderung der Feministischen Theologie und Gleichstellung verschiedener Lebensformen.


Das Forum missionarischer Frauen hatte sich in einer Stellungnahme zu den Leitlinien kritisch mit diesen Forderungen auseinandergesetzt. Hier haben Frauen aus unserer Kirche ganz andere Positionen formuliert. Diese Stellungnahme „Aus Glauben leben – Frauen gestalten die Kirche Jesu Christi mit“ ging ebenfalls in die Beratungen der Synode ein. Schließlich wurde deutlich, daß manche der Forderungen in unserer Kirche längst realisiert sind und andere nicht in den Aufgabenbereich der Landessynode fallen.


Wo sind wir unzufrieden?

Der Pluralismus in der Kirche läßt es nicht zu, daß Prioritäten gesetzt werden. Kürzungen wur-den zunächst nach dem Rasenmäherprinzip vorgenommen, danach auf dem Weg der Budgetierung. Eine geringere Kürzung in einem Bereich muß innerhalb desselben Budgets durch eine stärkere Kürzung an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Einigkeit bestand immerhin, beim Pfarrdienst weniger zu reduzieren als in allen anderen Bereichen. Wir wollen die Kirche im Dorf lassen!

Unzufrieden sind wir auch mit der Diskrepanz zwischen Grundsatzerklärungen einerseits und der mangelnden Umsetzung im konkreten Leben der Kirche. So fand die Aussage der EKD-Synode in Leipzig, daß Mission und Evangelisation die vordringliche Aufgabe der Kirche sei, in Württemberg volle Zustimmung, aber dann wurde doch am Amt für missionarische Dienste und dem Gemeindedienst weiter gekürzt.

Wir bedauern die Streichung des württembergischen Zuschusses an idea. Das ist eine sachlich nicht zu begründende Benachteiligung eines evangelischen Pressedienstes. Gerade diejenigen, die sonst die Vielfalt in der Kirche preisen, betreiben hier eine Monopolisierung. Die Verbreitung kirchlicher Nachrichten sollte unbedingt gefördert werden, auch die evangelikale Stimme.

Gerade bei den wesentlichen Äußerungen ist es nicht möglich, mit einer Stimme zu reden. Es wird jetzt üblich, in einem Papier zwei gegensätzliche Positionen gleichberechtigt nebeneinander zu setzen. Beispiele sind das Wort vom Kreuz, Christen und Juden und die „Gesichtspunkte zum Umgang mit homophilen Mitarbeitern“ (Vorgänger war eine Erklärung der vorigen Synode zu den verschiedenen Lebensformen). Da ist diese Methode wohl erstmalig angewendet worden. Zur Dokumentation ist das ein faires Verfahren. Es macht die verschiedenen Positionen deutlich. Aber solche Worte geben keine Orientierung, sie stiften eher Verwirrung. Nachher zitiert daraus jeder, was er zur Untermauerung seiner eigenen Position brauchen kann.

Die Synode hat sich zu viel Geschäft aufgeladen. Für Menschen, die einem ordentlichen Beruf nachgehen, ist es fast nicht mehr zu machen. Das führt bei allem guten Willen der Synodalen notgedrungen zu Lücken im Plenum und in den Ausschüssen. Aber es geht auch auf Kosten der Gründlichkeit und der Qualität. Weniger wäre mitunter mehr. So hat z.B. zum Thema „Christen und Juden“ überhaupt keine Aussprache im Plenum stattgefunden. - Die große Ar-beitsbelastung ist sicher ein wesentlicher Grund dafür, daß weniger als die Hälfte der Mitglieder der LG noch einmal kandidieren.

Resümee und Ausblick

Dennoch beobachten wir viel Positives und gehen zuversichtlich voran. So wurden in dieser Synodalperiode einige aus unseren Reihen als Dekane ernannt. Werner Baur ist in den OKR eingerückt, Dan Peter wurde Pressereferent im OKR.

Es wurden Wechsel im Leitungskreis der LG erforderlich. Das war nicht einfach, aber die Anlässe waren erfreulich. Die Konstanten über die ganze Zeit waren Otto Schaude und ich. Ulrich Mack, Dan Peter und Manfred Rieger schieden aus, Werner Trick und Inge Schneider kamen dazu. Michael Wacker hat die Geschäftsführung übernommen.

Positiv beurteilen wir die Arbeitsmöglichkeiten in unserer Kirche. Wir haben alle Freiheit und eine sehr gute Ausstattung, personell und materiell, zum Bau lebendiger Gemeinden. Diese Möglichkeiten sollten wir nutzen.

Erfreulich ist der Blick auf den Theologennachwuchs. Die Zahl der Theologiestudenten ist stark zurückgegangen; es wird schon bald an Pfarrern mangeln. Unter denen, die sich jetzt auf den Pfarrdienst vorbereiten, sind viele, die diesen Weg aus einer klaren Berufung eingeschlagen haben. Wir sollten in unseren Kreisen unter jungen Leuten für den Pfarrerberuf werben. Sie werden in einigen Jahren eine Anstellung erhalten.

In dieser Synodalperiode hat sich eine gute Zusammenarbeit entwickelt zwischen der LG und dem Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen und der Pfarrervereinigung Confessio. Seit dem Herbst 1996 gibt es den Theologischen Arbeitskreis „Lebendige Theologie heute“, der uns bei theologischen Themen zuarbeitet und unterstützt. Im Herbst 1997 wurde das Forum missionarischer Frauen gegründet, mit dem die LG ebenfalls eine gute Zusammenarbeit pflegt.

In der EKD-Synode kann man sehen, daß sich der Trend auch wieder umkehren kann. Nach Jahren, in denen dort Feministinnen und Pazifisten das Wort führten, als vor allem gesellschaftspolitische Themen dominierten und geistliche Anliegen wenig Sympathie fanden, bekommen geistliche Fragen jetzt wieder zunehmend Gewicht. Der Mitgliederschwund und der Rückgang an Finanzkraft und öffentlichem Einfluß hat die Frage nach der eigentlichen Aufgabe der Kirche wieder neu belebt. Von der LG sind Volker Teich, Manfred Rieger und ich in der EKD, und wir fühlen uns dort gerade richtig wohl.
Wir haben keinen Grund zur Resignation. Als Mitglieder der LG haben wir einen Auftrag, an der Leitung unserer Kirche mitzuwirken. Das wollen wir mit Engagement und im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott tun. Auch wenn es manchmal mühsam und schwierig ist. Wir machen doch immer wieder die Erfahrung, daß unsere Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

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