Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Herbsttagung vom 24. bis 26. November 2008

Von Pfarrer Andreas Schäffer, Cleebronn

Kirchliche Gelder in Finanzkrise gut verwaltet

Im Mittelpunkt der Beratungen der Landesynode stand die Verabschiedung des Haushalts 2009. Entgegen vieler Befürchtungen konnte der Finanzdezernent Dr. Kastrup der Synode mitteilen, dass trotz Finanzkrise und hoher Verluste an den Finanzmärkten für das Jahr 2008 eine positive Entwicklung der Landeskirchlichen Rücklagen zu erwarten ist.

Dennoch wird die Finanzkrise nicht an der Landeskirche vorbeigehen. In den nächsten Jahren werden Kirchensteuereinnahmen deutlich zurückgehen. Gerade diese Entwicklung zeigt, wie wichtig es war, in den letzten guten Jahren Rücklagen für zukünftige Risiken vor allem bei der Versorgung kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzulegen.

Der sehr gute Eingang von Kirchensteuermitteln in den vergangenen zwei Jahren ermöglicht der Landeskirche den Kirchengemeinden für das Jahr 2008 einen Zuschlag von 3% zu geben und zusätzlich für das Jahr 2009 2%. Dies entspannt die Haushaltslage der Kirchengemeinden, was für uns als „Lebendige Gemeinde“ ein wichtiges Anliegen ist. Im Rahmen der Haushaltdebatte hat sich die Lebendige Gemeinde dafür ausgesprochen, Zuschüssen an freie Werke und Missionswerke nicht zu kürzen. Die Landeskirche muss zu ihrer Verpflichtung gegenüber den Missionswerken und Partnern in der 3. Welt stehen.


Lebendige Gemeinde kritisiert theologische Einseitigkeit der Frauenarbeit

Auf der Tagesordnung der Synode stand ebenfalls der Bericht der Beauftragten für Chancengleichheit, Frau Kress. Sie berichtete über ihre Tätigkeit. Für die Lebendige Gemeinde warnte die Synodale Gudrun Theurer vor theologischen Einseitigkeiten in der Frauenarbeit. Es ist wichtig, dass sich alle Frauen von der Arbeit des Frauenwerkes vertreten wissen.

Dorothea Gabler warnte vor einer ideologischen Engführung des Begriffs „gender mainstreaming“. In seiner ideologischen Bedeutung widerspricht er dem biblischen Menschbild, nach dem der Mensch als Mann und Frau geschaffen wurden.


Aufhebung der Gehaltskürzung für unständige Pfarrer

Im Rahmen der Beratungen wurde ebenfalls ein Gesetz zur Änderung der Pfarrerbesoldung beschlossen. Eine Kürzung der Gehälter von unständigen Pfarrerinnen und Pfarrern um 25% wurde mit dem beschlossen Gesetz rückgängig gemacht und die Pfarrerinnen und Pfarrer z.A. den Beamtinnen und Beamten des Landes gleichgestellt.

Dies beseitigt eine Ungerechtigkeit in der Pfarrerbesoldung, die vor allem junge Pfarrerinnen und Pfarrer betroffen hatte. Gerade in Zeiten, in denen immer weniger junge Menschen den Pfarrerberuf ergreifen, sind solche Benachteiligungen der Berufanfänger zu beseitigen.

Die Vorsitzende des Finanzausschusses Inge Schneider kündigte auch eine zügige Bearbeitung des Antrags an, die Durchstufung der Pfarrergehälter zu prüfen, um so Möglichkeiten zu finden, die jahrelange Kürzung der Pfarrersgehälter wieder aufzuheben.


Schulpapier der Landeskirche

OKR Werner Baur stellte das Positionspapier zur Schule „Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung“ der beiden Landeskirchen Baden und Württemberg vor. Allein schon diese Gemeinsamkeit der beiden Kirchen in dieser Sache ist von Bedeutung. Dieses Papier hat in der Öffentlichkeit eine große Diskussion hervorgerufen. Es nimmt die aktuellen Fragestellungen, die oft mit Tabus belastet sind auf und denkt Schule neu, und zwar von den Schülern her. Das Kernanliegen ist: „allen Kindern und Jugendlichen umfassende Bildung und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, sie wiederum zur Verantwortung zu befähigen und unter uns Teilhabe- und Befähigungsgerechtigkeit zu gestalten.“

Werner Baur wies auf das Votum aus der Wirtschaft hin, die ebenfalls feststellt, dass „Bildungsgerechtigkeit neben dem Leistungsstand deutscher Schüler das Hauptdefizit des deutschen Bildungssystems ist“. Eben gerade die Unterschiedlichkeit und verschiedene Begabungen der Schüler sind auch als Gaben zu sehen.

Im Miteinander von Schule und Jugendarbeit und den notwendigen Freiräumen, die Kinder und Jugendliche brauchen, hält das Papier fest: „Es gibt ein Leben außerhalb der Schule“ Es muss eine Begrenzung der Schule bis maximal 16.00 Uhr und einem komplett freien Nachmittag geben. Zum Schluss zitierte Baur Bundespräsident Köhler: „Gute Bildung stellt den ganzen Menschen in den Mittelpunkt. Diese Erkenntnis finden wir bei Humboldt undKant, Goethe und Pestalozzi. Der Blick auf das Individuum – das muss auch heute unser Ausgangspunkt sein. Gute Bildung geht nicht in erster Linie von gesellschaftlichen Bedürfnissen oder der Anforderungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes aus. Zuallererst hilft gute Bildung uns, das zu entwickeln, was in jedem einzelnen von uns steckt; was uns von Gott gegeben ist.“ „Dahinter wollen und dürfen wir als Evangelische Kirche nicht zurückstehen“, so Werner Baur.


EKD Synodale

Tabea Dölker, Christel Hausding, Prälat Ulrich Mack und Volker Teich wurden vom Gesprächskreis Lebendige Gemeinde als Vertreter der Württembergischen Landeskirche in die EKD gewählt.


Resolution zum Krieg im Kongo, Christen in der Türkei

Neben vielen innerkirchlichen Punkten gedachte die Synode der Menschen im Kongo, wo eine der größten humanitären Katastrophen weltweit stattfindet und bittet die Gemeinden um Fürbitte.

Landesbischof July teilte der Synode mit, dass im Süden der Türkei das Kloster Gabriel der syrisch orthodoxen Kirche von der Schließung bedroht sei. Dieses Kloster ist eines der ältesten christlichen Klöster. Die Landeskirche möchte sich für die Erhaltung einsetzen und beim türkischen Konsulat vorstellig werden.


Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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