Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Herbsttagung vom 27. bis 30. November 2006

Mehr Sonntagsschutz - mehr Kirchensteuer - mehr Gemeindenähe.

Große Themen bei der Herbstsynode in Stuttgart - Verfassungsänderung

Selten war die Synode so nah am aktuellen politischen Geschehen wie in diesem Herbst. Der Sonntagsschutz stand zur Debatte in der Landesregierung ebenso wie in der Landessynode. Von Teilen der Politik und der Wirtschaft wurden eine völlige Öffnung der Ladenzeiten unter der Woche und mindestens vier verkaufsoffene Sonntage gefordert. Die Kirchen widersprachen deutlich; am eindeutigsten war das Votum der Württembergischen Synode. Einstimmig sprach sie sich gegen verkaufsoffene Adventssonntage aus.

Christel Hausding warnte in einem eindrücklichen Votum vor einer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft: Wir bitten die Abgeordneten des Landtags dringend, sich weiterhin für den Schutz der Adventssonntage einzusetzen und wünschen ihnen dabei in den kommenden Auseinandersetzungen viel Standfestigkeit und Gottes Weisheit. Eine Öffnung der Ladenzeiten unter der Woche gefährde unsere Gesellschaft ebenso, weil alle Termine auf den Sonntag drängten. Deutlich kritisierte sie, dass Ministerpräsident Oettinger eine Vorreiterrolle in Richtung verkaufsoffene Sonntage eingenommen hatte.

Projekt Jugendkirche erfolgreich

Das Projekt Jugendkirche /Jugendgemeinde ist erfolgreich abgeschlossen. Das Evangelische Jugendwerk (ejw) hat gute Arbeit geleistet. Die LEBENDIGE GEMEINDE will, dass Jugendliche eine Heimat in unserer Kirche finden. Der Gesprächskreis setzte sich mit großem Nachdruck für die Selbständigkeit des Jugendwerkes ein, die immer wieder in Frage gestellt wird. Das Evangelische Jugendwerk arbeitet selbständig im Auftrag der Landeskirche. Diese Struktur muss bleiben, denn sie ist bewährt und sie hat Zukunft.

Ordination soll in den Kirchengemeinden bleiben

Ein Gesetzentwurf des Oberkirchenrats sieht vor, die zukünftigen Pfarrer nicht mehr in ihren Gemeinden, sondern zentral durch den Landesbischof zu ordinieren. Auch soll ein Theologe nur noch dann ordiniert werden, wenn er direkt danach in den pfarramtlich Dienst eintritt. Die LEBENDIGE GEMEINDE setzt sich dagegen für die Ordination in der Kirchengemeinde ein. Die Ausbildungsgemeinden der Vikare sollen bei der Ordination dabei sein können und so verdeutlichen: Die Gemeinde beruft zum Dienst der Verkündigung, und die Amtsträger bleiben auf die Gemeinde bezogen. Auch sollen zukünftige Pfarrerinnen und Pfarrer ohne Angst Elternzeit in Anspruch nehmen können.Daher soll die Ordination weiter am Ende des Vikariats stehen. Volker Teich betonte jedoch: Wir begrüßen aber das Anliegen des Landesbischofs, mit jungen Vikaren Gemeinschaft zu pflegen.

Sicherheit für diakonische Einrichtungen und diakonische Arbeitsplätze

Eine Gesetzesvorlage wurde zur Beratung in den Rechtsausschuss verwiesen, die es diakonischen Einrichtungen ermöglichen soll, zwischen verschiedenartigen kirchlichen Tarifen zu wählen. Dies kann nur im Einvernehmen mit den Mitarbeitervertretungen geschehen. Der LEBENDIGEN GEMEINDE ist wichtig, dass von der Möglichkeit zu Gehaltsabsenkungen nur Gebrauch gemacht wird, wo es unumgänglich ist: Zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Einrichtungen. Viele diakonische Träger stünden vor dem Aus, wenn die Landessynode keine gesetzliche Alternative eröffnet, die flexiblere Gehaltsstrukturen ermöglicht. Gleichwohl darf die Diakonie nicht zu einem Billiganbieter verkommen. Die Synode wird diese weit reichenden Fragen weiter behandeln, um noch vor der Kirchenwahl im Jahr 2007 ein Gesetz zu verabschieden.

Dank für Kirchensteuereinnahmen

Rund 45 Millionen Euro nahm die Landeskirche im Jahr 2006 mehr ein als erwartet. Damit erreichen die Einnahmen dasselbe Niveau wie im Jahr 2004. Gleichzeitig zeigen Berechnungen, dass die Landeskirche rund 600 Millionen Euro an Verpflichtungen angehäuft hat: Renten und Ruhestandsgelder für kirchliche Beamte, Angestellte in den Kirchengemeinden und Kirchenbezirken sowie Pfarrern müssen einmal bezahlt werden, und das Geld wird dann nicht da sein. Die unerwarteten Mehreinnahmen werden daher fast vollständig einer neu gegründeten Versorgungsstiftung zugeführt.

Dennoch sollen eine Million Euro für Herausforderungen im Nahen Osten zur Verfügung gestellt, darunter auf Initiative der LEBENDIGEN GEMEINDE rund 330.000 EUR einmalig für freie Missionswerke, die unter Muslimen im Nahen Osten arbeiten.

Amtszeitbegrenzung für kirchenleitende Ämter nun in trockenen Tüchern

Fast zehn Jahre hat die Synode über eine Verfassungsänderung diskutiert. Nun erfolgte die bedeutendste Verfassungsänderung seit Jahrzehnten. Eine Begrenzung der Amtszeit auf zehn Jahre für Dekane, Prälaten, Oberkirchenräte und den Landesbischof ist nun beschlossen. Alle können wieder im Amt bestätigt werden. Die LEBENDIGE GEMEINDE hat ihre Bedenken bei der Begrenzung der Amtszeit für den Landesbischof zurückgestellt und so den Weg zum Gesetz frei gemacht. Die Synode erhofft sich so mehr Flexibilität und Motivation der leitenden Personen.

Pfarrplan 2011 verabschiedet

Die Synode hat den Pfarrplan 2011 beraten. Dieser Plan legt fest, wie viele Pfarrstellen jeweils in den Kirchenbezirken eingerichtet bzw. gestrichen werden. Deutlich ist, dass die Zahl der Teilzeitstellen (75%- und 50%-Stellen) eine kritische Größe erreicht. Zu befürchten ist, dass der nächste Pfarrplan weitere Reduzierungen bringt.
Thomas Wingert/Steffen Kern

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


Zurück