Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Herbsttagung vom 21. bis 23. November 2005

Sparen mit Vision

Immobilien verkaufen, um Gemeinden zu stützen

Die Entscheidungen sind schmerzhaft, aber unumgänglich. Was die Landessynode im November beschlossen hat, wird die Struktur der Bildungsarbeit in Württemberg verändern: Das Haus Birkach, die Fortbildungsstätte Kloster Denkendorf und das Adolf-Schlatter-Haus in Tübingen sollen abgegeben werden. Zum Sparpaket gehören auch Kürzungen bei den Personalkosten. Kirchliche Angestellte, Beamte und Pfarrer sollen weniger bzw. ab 2008 kein Weihnachts- und Urlaubsgeld mehr bekommen.


Dramatischer Rückgang der Kirchensteuern

Die Entscheidung der Synode war überfällig. Der Grund: Die Kirchensteuern gehen dramatisch zurück. Allein im Jahr 2005 nimmt die Landeskirche 22 Millionen weniger ein als im Jahr 2004. Für die nächsten fünf Jahre sehen die Prognosen noch düsterer aus. "Wenn die Synode jetzt keine Entscheidung getroffen hätte, wäre dies unverantwortlich gewesen", so die stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses, Inge Schneider. Damit grenzte sie sich deutlich von vorwiegend populistischen Thesen ab, die im Vorfeld der Synode lautstark verkündet wurden. Ein solches Zögern hätte die Kirche langfristig handlungsunfähig gemacht.


Kürzungen bei Gemeinden nicht mit der LEBENDIGEN GEMEINDE!

Die Alternative zu dem Verkauf von Häusern wäre nur eine Kürzung bei den Gemeinden und Bezirken, so Dekan Volker Teich. "Das ist mit der LEBENDIGEN GEMEINDE nicht zu machen." Jugendreferenten und Diakone müssten entlassen werden, diakonische Bezirksstellen, Jugend- und Altenarbeit stünden in Gefahr. "Wir wollen Gemeinde vor Ort erhalten, denn dort lebt unsere Kirche", so viele Synodale der LEBENDIGEN GEMEINDE. Eine Verschiebung der Kirchensteuer weg von den Gemeinden zugunsten der Landeskirche, wie sie manche linksliberale Vertreter forderten, hätte fatale Folgen für die Gemeinden in Württemberg. Dennoch fiel insbesondere der Verkauf des Hauses Birkach nicht leicht. Otto Schaude betonte: "Das Haus Birkach ist eine zukunftsorientierte Einrichtung. Es zu schließen, ist eine falsche Entscheidung; es nicht zu schließen, wäre aber auch falsch." Damit fasste er ein Dilemma in Worte, das viele Synodalen der LEBENDIGEN GEMEINDE empfanden.

Fest steht: Es werden nur Häuser verkauft, die Einrichtungen selbst werden erhalten und an andere Orte verlegt. Wo künftig das Pfarrseminar und das Pädagogisch-Theologische Studienzentrum (PTZ) untergebracht sein werden, ist noch offen. Diskutiert werden eine teilweise Verlagerung nach Bad Boll sowie eine Unterbringung in der Stuttgarter Innenstadt.


Gehaltskürzungen - LEBENDIGE GEMEINDE: Pfarrer nicht einseitig belasten!

Einer Kürzung bei den Pfarrgehältern wird die LEBENDIGE GEMEINDE nur zustimmen, wenn zugleich die Angestellten in Kirche und Diakonie ihren Beitrag leisten. Deren Gehälter werden jedoch in einer sogenannten Arbeitsrechtlichen Kommission ausgehandelt, die paritätisch besetzt ist. Wenn die Arbeitsrechtliche Kommission einer Gehaltskürzung nicht zustimme, habe sie Entlassungen zu verantworten, so viele Synodale. Einer einseitigen Kürzung der Pfarrgehälter will die LEBENDIGE GEMEINDE nicht zustimmen.


Heftige Kritik an Akademie Bad Boll

Heftige Kritik übten Synodale der LEBENDIGEN GEMEINDE an der Akademie Bad Boll. Dort werden derzeit "20 Jahre Lesbentagung" politisch propagiert. Damit bietet die Akademie homophil empfindenden Menschen aber keinen geschützten Raum zur seelsorgerlichen Begegnung; vielmehr instrumentalisiert sie diese Veranstaltung zur kirchenpolitischen Agitation und geht damit weit über das hinaus, was ihre eigentliche Aufgabe ist. Die Synodale Anne Hettinger aus Schorndorf erinnerte die Akademie an ihre Grundordnung, wonach sie "Fragen des persönlichen Lebens ins Licht des Evangeliums" zu rücken habe. Die LEBENDIGE GEMEINDE hat große Anfragen, ob die Akademie mit diesem Kurs weiter finanziert werden kann. Eine Akademie, die offen antibiblische Maßstäbe propagiert, braucht einen konzeptionellen und personellen Kurswechsel, heißt es in der Gesprächskreisleitung. - Ein Antrag der Synodalen Regula Forth, die Immobilie Bad Boll zu verkaufen, um das Haus Birkach zu erhalten, fand keine Mehrheit. Allerdings stellt eine Trennung vom kostspieligen Tagungsort Bad Boll längst kein Tabu mehr dar.


Elternzeit und unständiger Pfarrdienst

Es ist eigentlich ein unhaltbarer Zustand: Vikarinnen und Vikaren, die am Ende ihrer Ausbildungszeit ein Kind erwarten und deshalb in Elternzeit gehen, wird vom Oberkirchenrat die Ordination verweigert. Damit bleibt fraglich, ob sie jemals in den Pfarrdienst übernommen werden. Auch wenn sie ein langes Studium, das Vikariat und sämtliche Prüfungen erfolgreich hinter sich gebracht haben und in den Dienst der Kirche treten wollen, bleibt ihre Zukunft im Ungewissen. Dadurch werde ein Klima des Misstrauens geschaffen; sagte Werner Schmückle, junge Menschen könnten ihrer Kirche nicht offen sagen, wie es um ihre Familie stünde. Er forderte den Oberkirchenrat auf: "Ändern Sie diese Regelung und schaffen Sie ein Klima des Vertrauens!" Die LEBENDIGE GEMEINDE hält den gegenwärtigen Zustande für unhaltbar; mehrere Synodale meldeten sich zu Wort, darunter Tabea Dölker, Inge Schneider und Steffen Kern. Sie forderten, die Ordination weiter am Ende des Vikariats durchzuführen oder den ausgebildeten Vikaren wenigstens eine Einstellungsgarantie zu geben. Aufgrund eines Antrags wird die Sache weiter verhandelt.


Signal für Pietismus: Zuschuss für Schönblick-Neubau

Die Kirche unterstützt den Altpietistischen Gemeinschaftsverband mit 500.000 Euro, um den Neubau auf dem Schönblick zu finanzieren. Die Gesamtkosten betragen ca. 10,3 Millionen Euro. Weit über 90% davon werden nur aus Spenden beglichen. Auf dem Schönblick entsteht ein neues geistliches Zentrum: ein Forum mit 900 Plätzen und 58 zusätzlichen Zimmern für das Freizeitzentrum. Dieser Bau ist ein großes Wagnis. Doch er ist ein Projekt für die kommende Generation - gerade in Zeiten knapper Kassen eine Investition, die im Glauben gewagt wird. Damit setzt die Synode mit den Stimmen der LEBENDIGEN GEMEINDE und Synodalen der Mittegruppierung gegen die linksliberale Offene Kirche ein deutliches Signal: Der Pietismus gehört zum Herz unserer Kirche. Gerade wenn die Kirche äußerlich abnimmt, braucht sie eine Erneuerung von innen. Die Synode kann dafür nur Rahmenbedingungen schaffen; entscheidend ist, was vor Ort geschieht: die Gemeindearbeit, der Einsatz von vielen Ehren- und Hauptamtlichen, eine biblische Orientierung und das Gebet um Gottes Segen.
Steffen Kern


Bericht: Steffen Kern, Walddorfhäslach

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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