Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Sommertagung vom 15. bis 17. Juli 2010

Von Heiko Bräuning und Rainer Holweger

Sommertagung der Synode: Ja zu Sparmaßnahmen

Auf der Sommertagung vom 15.-17. Juli hat die Synode bei der Planung des mittelfristigen Haushalts dem Rahmen der Sparmaßnahmen von 10,17 Millionen Euro zugestimmt. Die Arbeitsgruppe „Zukunft“ hatte seit der letzten Synode Vorschläge erarbeitet, wie diese Summe bis 2019 dauerhaft eingespart werden könnte. Angedacht sind Vorruhestandsregelungen und Kürzungen im Pfarrdienst sowie die Reduzierung des „Investitionstopfes“, eenso erhofft man sich Einsparungen durch organisatorische Veränderungen etwa im Tagungsstättenmanagement und durch die Verschlankung von Verwaltungsprozessen. Die konkreten Kür-zungen sollen bis zum Herbst festgelegt werden. Aufgrund des bevorstehenden Umbaus des Hospitalhofs tagte die Synode diesmal in Freudenstadt.


LG: Überproportionale Kürzungen im Pfarrdienst vermeiden – Fusionen nicht erzwingen

Landesbischof July ging in seinem Bericht aufgrund von Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung von einem Rückgang der Mitglieder von derzeit 2,3 Millionen auf 1,8 Millionen bis zum Jahr 2030 aus. Er schlug deshalb vor, die Stellen im Pfarrdienst in diesem Zeitraum von rd. 1.800 Stellen auf 1.100 Stellen zu reduzieren. An der flächendeckenden Präsenz solle dennoch festgehalten werden. July rechnet dadurch mit einer Einsparung von 3 Millionen Euro. Im Votum der Lebendigen Gemeinde warnte Steffen Kern davor, überproportional im Pfarrdienst Stellen zu streichen: Angesichts eines möglichen Mitgliederschwunds von 20 Prozent sei die mit 40 Prozent vorgeschlagene Kürzung zu überdenken. Gemeinden dürften auch nicht von oben her zur Fusion genötigt werden.


Nicht Kirche des Amtes, sondern Kirche des Wortes

Kritisch sah Kern auch die Tendenz des Bischofsberichts, die Gemeinde zu stark vom Pfarramt her zu definieren. Für die LG betonte er: „Wir sind keine Kirche des Amtes, sondern eine Kirche des Wortes. Wir sagen also nicht: Wo ein Amtsträger ist, da ist Kirche. Sondern umgekehrt: Wo Kirche, also Gemeinde Jesu Christi ist, da ist auch ein Amt.“ Tabea Dölker forderte vom Bischof, mehr über Beziehungen in der Gemeinde nachzudenken als über Strukturen. Diese Beziehungen würden missionarische Chancen nach sich ziehen.


Kürzungen bei Bad Boll, aber auch beim Jugendwerk geplant

Bislang erhält die Ev. Akademie Bad Boll von der Landeskirche jährlich über fünf Millionen Euro Zuschuss. Württemberg leistet sich damit die größte Evangelische Akademie in Deutschland. Durch ein äußerst einseitig konzipiertes „Friedensseminar“ mit der Einladung eines Hamas-Vertreters stand die Akademie jüngst bundesweit in der Kritik. Bei Bad Boll sind bisher Einsparungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro geplant. Andreas Schäffer betonte für die Lebendige Gemeinde, dass grundsätzlich die Arbeit einer Ev. Akademie in der Landeskirche unverzichtbar sei. Große Schmerzen machten ihm aber die Überlegungen zu Kürzungen beim Evangelischen Jugendwerk und bei der Mission.


Zukunft von Haus Birkach weiter ungewiss – Immobilienkonzept gefordert

Für Unmut sorgte die erneute Unklarheit im Blick auf die Zukunft des Hauses Birkach. Eine Sanierung des Gebäudes, wie sie der Oberkirchenrat inzwischen befürwortet, wurde von der Synode aufgrund der nicht absehbaren Kosten bis auf weiteres abgelehnt. Sollten jedoch die notwendigen Brandschutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden, wird Bikach von der Stadt Stuttgart spätestens im August 2011 geschlossen werden. Ein Abbruch wäre laut der Vorsitzenden des Finanzausschusses Inge Schneider von der Lebendigen Gemeinde die wirtschaft-lich sinnvollste Lösung, ist aber aufgrund des seit März 2010 bestehenden Denkmalschutzes rechtlich schwierig. Die Synode hat den Oberkirchenrat deshalb aufgefordert, den Abriss weiter zu verfolgen und das bereits lange angemahnte Immobilienkonzept bis zum Herbst vorzulegen.


Schwerpunkttag: Reichtum braucht ein Maß, Armut eine Grenze

Beim Schwerpunkttag der Landessynode ging es um die globale und nationalen Reichtums- und Armutsentwicklung. Die Synode verabschiedete nach intensiver Beratung eine Erklärung, die vor allem eine Handreichung für Gemeinden sein soll, Armut thematisieren zu können. So werden die Gemeinden darin ermutigt, sich in besonderer Weise kranken Menschen zuzuwenden, Besuchsdienste aufzubauen und für arbeitslose und von Entlassung betroffenen Menschen Räume anzubieten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wo sie sich einbringen und engagieren können. Außerdem wird angeregt, Mittagstische, Vesperkirchen und Selbsthilfegruppen zu initiieren, genauso wie Familienbildung zum Beispiel in Familienzentren zu entwickeln als Armutsprävention.


Weiteres in Stichworten:
  • Finanzchef der Kirche prognostiziert: Finanzsituation der Landeskirche dank guter Rücklagen auch die nächsten vier Jahre noch recht gut
  • Pfarrer können in Zukunft, solange keine kirchlichen Interessen entgegenstehen, mit 60 in den Ruhestand
  • Bestand des Religionsunterrichtes in den nächsten Jahren garantiert


Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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