Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Sommertagung vom 2. bis 4. Juli 2009

Sommersynode – heiß und voll

Bericht von Dekan Volker Teich, Schorndorf

Dekan Volker Teich, SchorndorfDie äußeren Bedingungen bei der Sommersynode vom 2. bis 4. Juli waren heiß und schwül. Die Temperaturen waren hoch, starke Gewitter entluden sich über Stuttgart. Dabei hatte die Synode ein volles Programm. Wichtige Tagesordnungspunkte mussten entschieden werden. Hier nur die drei wichtigsten Tagesordnungspunkte dieser Tage: Bischofsbericht, Konfirmandenunterricht und Mittelfristige Finanzplanung mit Personalstrukturplanung.

Bischofsbericht

»Unser täglich Brot gib uns heute« überschrieb der Landesbischof seinen Bericht. Dieser Bericht ist eine Station auf dem Weg zur Tagung der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes im kommenden Jahr in Stuttgart. Außerdem war sie eine Vorlage für das Schwerpunktthema »arm und reich« der Synode im nächsten Jahr in Freudenstadt.

Bischof D. Frank Otfried July ging dieses große Thema der Armut und des Reichtums vom Gebet aus an. Christen leben vom Gebet. Das Gebet ist Ausgangspunkt unseres Handelns, das wiederum ins Gebet mündet. So zeichnete sich dieser Bericht durch eine gute geistliche Handschrift aus. »Das Vaterunser lehrt uns beten, lehrt uns im Beten sehen und hören, lehrt uns wahrnehmen und verstehen.«

Zur Armut weltweit und in Deutschland nannte der Bischof konkrete Zahlen. So stieg weltweit die Zahl der Hungernden von 840 Millionen Menschen auf 963 Millionen, obwohl sich 1996 auf dem Welternährungsgipfel die Regierungen verpflichtet haben bis 2015 die Zahl der Hungernden dieser Welt auf 400 Milllionen zu halbieren. Jeden Tag sterben auf unserer Erde 16 000 Kinder an den Folgen des Hungers. In unserem Land nimmt Armut zu, auch wenn die Armut anders aussieht als in Ländern Afrikas oder Asiens. Familien mit Kindern, besonders Alleinerziehende sind von Armut betroffen; mehr und mehr auch Menschen, die in Arbeitslosigkeit geraten. Die Zahlen derer, die Hartz IV empfangen oder die Zahlen der Haushalte, die überschuldet sind, aber auch die zunehmenden Zahlen von Wohnungslosen sind alarmierend.

Am Ende seines Berichts formulierte Bischof July sieben Visionen für unsere Kirche. Er formulierte sie aus der Vaterunserbitte heraus, die uns Bilder des Lebens und der Hoffnung schenkt. Dazu nannte er z. B konkrete Schritte wie Förderung des fairen Handels, oder dass Ressourcen, für die wir verantwortlich sind, schonend bewirtschaftet werden.

Zur Ermordung der Missionarinnen im Jemen bat Bischof July um Fürbitte für »unsere christlichen Schwestern« und wehrte sich dagegen, dass aus Opfern in den Medien Schuldige werden. Martin Brändl nahm vom Gesprächskreis »Lebendige Gemeinde« aus Stellung, dankte dem Bischof und betonte die Aufgabe der Mission, die ja immer auch materielle Hilfe ist. In der weiteren Aussprache plädierten die Nodalen Kern und Teich für die Solidarität. Wenn junge Menschen zu den Ärmsten der Welt gehen, um ihnen aus ihrem christlichen Glauben heraus zu helfen, so haben sie unsere Anerkennung und Fürbitte verdient. Es ist das Zeugnis von uns Christen, das diese Welt braucht auch wenn es Leid und Tod bedeutet.


Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten

Prof. Friedrich Schweitzer von der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Tübingen stellte das Ergebnis einer Studie vor. Danach ist die Konfirmandenarbeit ein Erfolgsmodell. In den letzten Jahren hat ein Wechsel vom Konfirmandenunterricht zur Konfirmandenarbeit stattgefunden. Es ist nicht nur Aufgabe der Pfarrer, Jugendmitarbeiter, Kirchengemeinderäte, sondern die ganze Gemeinde ist an dieser Arbeit beteiligt. KU 3, also Konfirmandenunterricht mit Drittklässlern wurde weiter erprobt. Ca. 14 % der Kirchengemeinden haben KU 3. Aber auch der Konfirmandenunterricht in der Klassenstufe 7 und 8 hat sich durch Projekttage, Konficamp, Gemeindepraktikum etc. stark verändert. Der Konfirmandenunterricht ist bei vielen Jugendlichen beliebt. Er ist spannend und attraktiv. Durch längere Freizeiten finden Konfirmanden in die Mitarbeiterschaft der Jugendarbeit hinein.

Knackpunkt Gottesdienst

Prof. Schweitzer zeigte aber auch die andere Seite: Konfirmanden finden keine Heimat in unseren Sonntagsgottesdiensten. Zu Beginn der Unterrichtszeit stimmen 46% der Konfirmanden der Aussage zu, dass der Gottesdienst langweilig sei. Am Ende des Unterrichts sind es 54%. Dies ist alarmierend. Wir müssen hier noch viel arbeiten. Der Sonntagsgottesdienst soll Heimat für jung und alt sein. Er kann nicht Jugendgottesdienst sein, aber auch nicht nur ältere Gemeindeglieder als Zielgruppe haben. Wie kann es uns gelingen Gemeindeglieder mehr am Gottesdienst zu beteiligen? Wie gelingt es, dass »Alte und Junge Gott loben«?

Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst

Es war die letzte Synodaltagung mit Frau OKR Ilse Junkermann, die im September ihr Amt als Bischöfin der mitteldeutschen Kirche antritt. Sie hat in den letzten Jahren eine langfristige Personalplanung eingeführt, die immer auch Grundlage für die mittelfristige Finanzplanung ist. Diese Planung hat 45 bis 50 Jahre im Blick. Ist das nicht zu vermessen, so lange voraus zu planen? Doch die andere Seite ist, wer jetzt als Vikar in den Dienst der Kirche tritt, für den muss die Kirche Gehälter und Ruhestandsgehälter bezahlen. Dies sind ungefähr 45 Jahre. So ist es klug und vorausschauend langfristig zu planen

Da große Jahrgänge in den Ruhestand gehen werden, aber wesentlich weniger Theologie studieren werden, wird es eine Zeit geben in der auf einen Pfarrer über 2700 Gemeindeglieder kommen . Dazu muss dieser Pfarrer über 6 Stunden Religionsunterricht halten, da dies der Staatskirchenvertrag fordert. Wie mit diesem Ausblick umzugehen ist wird eine Aufgabe der nächsten Jahre sein.

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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