Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Sommertagung vom 3. bis 4. Juli 2008

Auf dem Weg zu einer "Wachsenden Kirche"

Eindrücke von der Sommersynode von Steffen Kern

Nach ihrer konstituierenden Sitzung im Februar 2008 traf sich die neue Landessynode erstmals zu einer Sommertagung. Im Mittelpunkt standen die Weiterarbeit am Projekt "Wachsende Kirche", der Bericht des Landesbischofs und die Situation verfolgter Christen. Neben den Finanzen beriet die Synode außerdem über die Unterstützung von Kirchengemeinden zum Aufbau einer Kleinkindbetreuung.


Nach dem Kongress geht es weiter

Der Kongress "Wachsende Kirche" war ein Höhepunkt im April 2008. Etwa 3000 Mitarbeiter aus vielen Gemeinden und Gemeinschaften kamen nach Stuttgart, um Impulse für ihre Gemeindearbeit mitzunehmen. Die gab es zuhauf zu vielen brennenden Fragen wie etwa:
  • Wie gestalten wir unsere Gottesdienste so, dass möglichst viele Menschen hier ein Zuhause finden?

  • Wie erreichen wir die Zielgruppe der 30- bis 55-Jährigen?

  • Wie führen wir am besten einen Glaubenskurs durch?

  • Wie werden wir neu zu einer diakonischen Gemeinde?
Als "Lebendige Gemeinde" ist es uns wichtig, dass die vielen guten Impulse des Kongresses nicht wie ein Strohfeuer abbrennen. Sie sollen sicher vielmehr wie ein Lauffeuer in unseren Gemeinden verbreiten. Deshalb haben wir beantragt, eine Pfarrstelle zu beauftragen, die Gemeinden in diesen Fragen intensiv begleitet und kompetent berät. Diese Stelle soll nicht zulasten einer bestehenden Gemeindepfarrstelle eingerichtet werden; vielmehr soll eine bestehende Sonderstelle umgewidmet werden. Diese Investition nimmt einen Wunsch vieler Kongressteilnehmer auf: "Wachsende Kirche" soll weiter gehen.


Bischofsbericht: "Mehrgenerationenhaus Kirche"

Landesbischof July bekräftigte vor der Synode sein klares Nein zur Sterbehilfe: "Weil wir glauben, dass unser Leben am Anfang, in der Mitte und am Ende nicht uns, sondern Gott gehört, legen wir es allein in Gottes Hand". Die letzte Entscheidung über unser Leben gehöre Gott. Das Ja zum Lebensschutz ermögliche ein Altern in Würde. Der Landesbischof rief auch dazu auf, die palliativmedizinische Versorgung zu verbessern und das Hospizwesen auszubauen. Die große Chance der Kirchengemeinden liege darin, die Generationen nicht gegeneinander auszuspielen. In der Kirche begegneten sich verschiedene Generationen, die alle gemeinsam Gemeinde seien.


Lebendige Gemeinde: Pflegesätze erhöhen - Jugendlichen Raum geben

Dekan Volker Teich aus Schorndorf bekräftigte für die "Lebendige Gemeinde": "Im Mehrgenerationenhaus Kirche haben alle gleichen Platz. Wenn im Gottesdienst nur Junge wären, würde etwas fehlen. Wenn nur Alte da sind, muss sich eine Gemeinde fragen, ob nicht ein großer Teil fehlt und ob die Gewichtung der Arbeit so richtig ist." Außerdem forderte Volker Teich, die Pflegesätze zu erhöhen: "Pflege muss ordentlich bezahlt werden. In einem reichen Land wie Deutschland darf es nicht sein, dass Magensonden aus Kostengründen gelegt werden und Pflege nur noch unter dem Mindestlohn von illegalen Billigkräften geleistet wird."

Synodale der Lebendigen Gemeinde unterstrichen die Bedeutung der Ortsgemeinden für das Miteinander der Generationen. Zugleich brauche das Mehrgenerationenhaus Kirche aber auch Räume für Zielgruppen, etwa für Jugendliche. Ein solcher Raum kann im städtischen Bereich auch eine Jugendgemeinde sein. Die Frage nach neuen Gemeindeformen wird die Synode noch beschäftigen.

Weltweit 200 Millionen Christen diskriminiert oder verfolgt

"Von den weltweit rund 2,1 Milliarden Christen leiden etwa 200 Millionen wegen ihres Glaubens unter Diskriminierungen, schwerwiegenden Benachteiligungen und zum Teil heftigen Anfeindungen bis hin zu Verfolgung." Das berichtete Kirchenrat Klaus Rieth der Synode. Auf Initiative der "Lebendigen Gemeinde" wird die Synode jährlich über die Situation verfolgter Christen in aller Welt unterrichtet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Lage der meisten betroffenen Christen angespannt geblieben oder hat sich sogar noch weiter verschlechtert. Vor allem im Irak hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Drei Viertel der christlichen Iraker mussten wegen gezielter Einschüchterungen, Übergriffen und Entführungen ihre Heimat verlassen müssen. Völlig neu seien in Pakistan Drohungen gegen Christen, entweder zum Islam überzutreten oder vertrieben zu werden. Rieth sprach von weiteren Verfolgungen von Christen in China, sowie von der Unterdrückung religiöser Minderheiten in Eritrea, Ägypten und der Türkei. Landesbischof July betete mit der Landessynode für die verfolgten Christen, denn "wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit".

7,5 Millionen Euro für kirchliche Kindergärten

Die Landessynode will Gemeinden und Bezirke in der Kindergartenarbeit unterstützen. Wer Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren schafft, soll in den nächsten fünf Jahren von der Landeskirche unterstützt werden. Insgesamt stehen für diese Anschubfinanzierung 7,5 Millionen zur Verfügung.

Als "Lebendige Gemeinde" haben wir diese Entscheidung vorangebracht. Zwar sehen wir nach wie die Familie als den besten Ort an, an dem Kinder ein Zuhause haben. Doch Kleinkinder, die nicht in der Familie betreut werden können, sollen nicht ohne Gott aufwachsen. Wenn schon Ganztagesbetreuung, dann von der evangelischen Kirche! Dabei wollen wir Gemeinden nicht zusätzlich belasten, sondern im Gegenteil unterstützen: Deshalb wird die Hälfte der Unterstützung aus dem Landeshaushalt - gewissermaßen als "Sonderzuwendung" - an die Gemeinden gegeben.


Mehr Geld für Gemeinden

In diesem Jahr erwartet die Landeskirche Mehreinnahmen in Höhe von 40 Millionen Euro. Der Gesamthaushalt liegt vermutlich bei 565 Euro. Michael Fritz forderte im Namen der "Lebendigen Gemeinde" einen verantwortlichen Umgang mit den Steuereinnahmen: Wir begrüßen, dass die Planung des Oberkirchenrats auch die Themen der Gemeinden in den Blick nimmt, etwa eine Sonderzuweisung von 15 Millionen Euro für die Renovierung von Pfarrhäusern. Synodale der "Lebendigen Gemeinde" setzten sich außerdem dafür ein, die Gemeinden bei der Bildung ihrer Substanzerhaltungsrücklagen zu unterstützen.

Steffen Kern


Bericht: Steffen Kern, Walddorfhäslach

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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