Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Sommertagung vom 5. bis 7. Juli 2007

Eine missionarische Kirche als erstes Ziel

Landesbischof July legt Bericht vor - "Wachsende Kirche" geht voran

"Wir wollen auch in Zukunft eine missionarische Kirche in volkskirchlicher Tradition sein." Diesem ersten Ziel sei in allen "Strukturen, Ämtern und Abläufen" Rechnung zu tragen. Das sagte Landesbischof Frank Otfried July in seinem Jahresbericht vor der Synode. Die Kirche müsse auch für Menschen, die nicht zu ihr gehörten, "ein vertrauenswürdiges und kompetentes Gegenüber mit durchsichtigen Strukturen, zuverlässigen, verständlichen Richtlinien und deutlich erkennbaren evangelischen Positionen" sein. Über Milieugrenzen hinweg solle sich die Kirche um die angemessene Weitergabe des Evangeliums bemühen, "so dass alle Menschen das Evangelium hören und verstehen können". Damit machte July ein Hauptanliegen der Lebendigen Gemeinde stark. Mit sinkenden Mitgliedszahlen darf sich die Kirche nicht abfinden; "wir sind allen Menschen das Evangelium schuldig."

Rektor Otto Schaude dankte in seinem Votum für den Gesprächskreis Lebendige Gemeinde dem Bischof dafür, dass mit der Frage, wie Kirche geleitet wird, ein zentrales und zugleich zukunftsweisendes geistliches Thema in den Mittelpunkt gestellt wurde. Auch wies er darauf hin, dass verantwortliche Personen Vorbildwirkung haben. Die Ehe eines Pfarrers etwa sei keine "Privatsache", sondern eine unausgesprochene Predigt mit prägendem Einfluss. Zudem wies er auf die Bedeutung überparochialer (überörtlicher) Gemeinden als notwendige Ergänzung zur Parochie hin. - Ein Bericht über das Projekt "Wachsende Kirche" machte deutlich, wie Gemeinden nach Wegen suchen, um mehr Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Am 11. und 12. April 2008 wird dazu ein großer Gemeindekongress im Stuttgarter Kongresszentrum Liederhalle stattfinden. Mehr Informationen unter www.wachsende-kirche.de.


Mehr Kirchensteuer bis 2008 erwartet

Lebendige Gemeinde: Vorsorgen und Gemeinden entlasten

Die Landeskirche rechnet bis Mitte 2008 mit steigenden Kirchensteuereinnahmen, danach sei jedoch eine "Rückwärtsentwicklung" zu erwarten, so Finanzdezernent Martin Kastrup vor der Synode. Im Jahr 2007 nimmt die Landeskirche etwa 50 Millionen mehr ein als erwartet. - Dekan Emil Haag sagte für die Lebendige Gemeinde: "Wir sind sehr dankbar für die derzeitigen Einnahmen, von denen wir nicht zu träumen gewagt hätten." Zugleich warnte er vor Begehrlichkeiten: "Niemand weiß, wie lange der Kirchensteuersegen anhalten wird." Deshalb sei von Joseph in Ägypten zu lernen: in guten Zeiten die Vorräte auffüllen und mehr Luft für neue Herausforderungen haben. Die Mehreinnamen kommen auch unmittelbar den Gemeinden zugute: Für das Jahr 2008 stehen ihnen 4% mehr Mittel zu als ursprünglich erwartet. Darüber hinaus forderten Synodale der Lebendigen Gemeinde, die Gemeinden weiter zu entlasten.


Immer mehr Frauen im Pfarramt

Die Zahl der Menschen, die ein Pfarrer im Durchschnitt betreut, soll möglichst stabil gehalten werden. Das sei oberstes Ziel der Personalstrukturplanung für den Pfarrdienst, sagte Oberkirchenrätin Ilse Junkermann, die der Landessynode die aktuellen Planungen vorlegte. Die Zahl der Theologiestudierenden habe erfreulicherweise wieder zugenommen. Derzeit beschäftigt die Landeskirche gut 2.300 Personen im Pfarrdienst, davon sind knapp 600 Frauen. Aus dem bisherigen "Männerberuf" Pfarrer entwickle sich zwar noch kein "Frauenberuf", aber die Zahl der Pfarrerinnen steige ständig. Mittelfristig sei mit einem etwa gleichen Anteil von Männern und Frauen im Pfarrberuf zu rechnen. Aufgrund des steigenden Frauenanteils steige der Personalbedarf im Pfarramt insgesamt an. Da die Pfarrerinnen im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen deutlich mehr Erziehungszeit nehmen und im Schnitt länger aus dem Beruf aussteigen, um für die Familie Zeit zu haben, arbeiteten Pfarrerinnen durchschnittlich in geringerem Umfang im Beruf als Männer.

Künftig wird es also wohl noch mehr beschränkte Dienstaufträge geben (50%-Stellen oder 75%-Stellen). Diese Entwicklung sehen viele Synodale der Lebendigen Gemeinde mit Sorge. Denn zum einen lässt sich der Pfarrdienst in der Gemeinde nur schwer in Teilzeit erledigen. Grundsätzlich ist ein Pfarrer ganz für eine Gemeinde da und dafür vom Broterwerb freigestellt, eine Abrechnung von Stunden etwa widerspräche dem Wesen des pastoralen Dienstes. Zum andern dürfen auch Pfarrer nicht dazu gezwungen werden, auf eine Teilzeitstelle zu gehen, obwohl sie gerne ganz für eine Gemeinde da sein wollen. In den nächsten Jahren werden Synode und Oberkirchenrat verstärkt darauf zu achten haben, dass aus dem Pfarrdienst kein "Job" wird.


Gemeinden besser mit Pfarrern versorgt

Lebendige Gemeinde: Angehende Pfarrer schon im Studium geistlich begleiten

Inge Schneider betonte für die Lebendige Gemeinde: "Wir setzen ganz bewusst einen Schwerpunkt in der Versorgung der Gemeinden mit Pfarrern. Ich denke, alle Gemeinden werden sich mit uns darüber freuen." Im künftigen Pfarrplan müssen deutlich weniger Pfarrstellen abgebaut werden als ursprünglich geplant. Es sei außerdem erfreulich, dass sich mehr junge Menschen für das Theologiestudium interessieren, "wir müssen diese junge Leute aber auch schon während des Studiums in ihrem Glauben stärken und begleiten. Nur dann werden sie später auch einladend vom Glauben reden." Außerdem bat Inge Schneider den Oberkirchenrat, den Spielraum der Mehreinnahmen zu nutzen, um die starken Gehaltskürzungen bei Berufsanfängern im Pfarramt zurückzunehmen: "Als Lebendige Gemeinde liegt es uns sehr am Herzen, dass unsere jungen Pfarrerinnen und Pfarrer gerade in der Familiengründungsphase finanziell entlastet werden."


Landeskirche führt einen Gedenktag für verfolgte Christen ein

Den zweiten Weihnachtstag wird die Evangelische Landeskirche in Württemberg zukünftig als Gedenktag für die weltweit verfolgten Christen begehen. Dieser Beschluss der Landessynode geht auf eine Initiative der Lebendigen Gemeinde zurück. Als Christen sind wir weltweit Teil an einem Leib. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. Daher dürfen die Verfolgungen von Christen insbesondere in islamischen Ländern auch im Gespräch mit Muslimen in Deutschland nicht ausgeklammert werden. Erste Aufgabe von uns Christen in Deutschland ist es jedoch, für unsere Geschwister in der Verfolgung zu beten. Württemberg ist die erste der 22 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die einen solchen Gedenktag einrichtet. Der 26. Dezember wird in der kirchlichen Tradition als Stephanustag gefeiert im Gedenken an den ersten christlichen Märtyrer. Nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte wurde Stephanus um seines Glaubens willen gesteinigt. Die Landeskirche wird den Gemeinden Material zur Verfügung stellen, um über die Lage der weltweit verfolgten Christen zu informieren.


Religionsunterricht stärken, damit junge Menschen zum Glauben finden

Oberkirchenrat Werner Baur informierte die Synode über die Situation des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Dekan Harald Klingler aus Bad Urach unterstrich die Bedeutung des Faches für junge Menschen auf der Suche nach einem eigenen Glauben. Der Religionsunterricht dürfe nicht unter finanziellen und personellen Engpässen der Landeskirche leiden oder gar ausfallen. Mehrere Synodale der Lebendigen Gemeinde sprachen sich dafür aus, dass ein evangelisch profilierter Religionsunterricht weiter gefördert werden soll.

Steffen Kern


Bericht: Steffen Kern, Walddorfhäslach

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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