Landessynode, Bild: Amt für Information/Eidenmüller

Bericht aus der Landessynode

Frühjahrstagung vom 12. bis 13. März 2009

LG: „Herzensbildung brauchen wir“

Landessynode verabschiedet Erklärungen zur Bildung und Europa

Aktuelle Bildungsfragen und die Zukunft Europas waren die Schwerpunktthemen der Landessynode, die sich am 12. und 13. März zu ihrer Frühjahrstagung in Stuttgart traf. Die Tagung wurde von dem Amoklauf in Winnenden überschattet.

Kultusminister bittet um Gebet

Kultusminister Helmut Rau verwies in seinem Grußwort auf die wichtige Rolle der Kirche in unserem Land: „In großer Brutalität wurde uns vor Augen geführt, wie verletzlich wir sind in einer offenen Gesellschaft“, sagte Rau und bat die Synode um Fürbitte die Opfer, deren Angehörige und Helfe. Zudem unterstrich er: Kirche sei von Anfang an eine Bildungsbewegung und eine Bewegung, die sich um sozialen Ausgleich bemühe. Staat und Kirche müssten voneinander lernen, um die Bildungssituation zu verbessern. Bildung sei ebenso wie ein entsprechendes familiäres Umfeld Voraussetzung für sozialen Halt und Aufstieg.

Ähnlich heißt es in der Entschließung, die die Synode beschlossen hat: Soziale Herkunft dürfe kein Hinderungsgrund für gute Bildung sein. Den Bedürfnissen der einzelnen Schüler solle dabei Rechnung getragen werden. Beispielsweise sollte individuelles Lernen ermöglicht werden. Ein Schritt in diese Richtung könnten gezielte Versuche zu einer längeren gemeinsamen Lernzeit sein, beispielsweise durch eine auf sechs Jahre angelegte integrative Grundschule. Auch die Entwicklung neuer Schulformen in der Sekundarstufe sei eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Besonderes Augenmerk verdiene die Partnerschaft zwischen Elternhäusern und Bildungseinrichtungen.


Nicht nur Schule verlängern

Dekan Harald Klingler aus Bad Urach brachte die Erklärung ein. Darin wird auch nahe gelegt, neue Formen von Ganztagesschulen zu entwickeln. Dazu gehörten Freiräume zu einer Rhythmisierung des Lernens im Tages- und Wochenlauf. „Ganztagesschule soll nicht die verlängerte Vormittagsschule sein“, erläuterte Oberkirchenrat Werner Baur. An erster Stelle solle die Frage nach dem Menschenbild stehen, nicht die Frage nach der Struktur. Dies bedeute, so Baur, dass es nicht nur darum gehe, Wissen zu vermitteln, sondern auch Sinn und Hoffnung aufgezeigt werden sollten.


LG: Raum für Jugendarbeit wahren

Schuldekan Stefan Hermann aus Böblingen unterstrich in seinem Votum für die Lebendige Gemeinde, wie dringend Reformen an den Schulen nötig seien: „Unmenschliches zeigt seine Züge nicht nur in Intoleranz, subtilen und offenen Formen von Ausgrenzung und Gewalt, sondern auch in dem vielfach dramatisch erlebten Überforderungsdruck.“ Dieser Masse des Unmenschlichen selbstkritisch und kritisch „Maße des Menschlichen“ entgegenzustellen, dazu sei es höchste Zeit. Zudem sei die Schulzeit zu begrenzen, um die Schulen nicht zu überfordern und außerschulische Bildungsangebote zu ermöglichen. Dazu gehört auch die evangelische Jugendarbeit.

Sibylle Lehmann forderte die stärkere Integration von Kindern mit Behinderungen in die Schule: „Hören wir doch endlich auf, Kinder nach ihren Defiziten einzuordnen! Wir brauchen uns über soziale Kälte nicht zu beklagen, wenn wir keine Brücken bauen.“

Werner Schmückle stellte zudem Anfragen an die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Auch ein Gesamtschulkonzept schaffe neue Probleme. Gottfried Holland verwies auf die Verantwortung der Eltern, sich in der Schule einzubringen. Ulrich Hirsch fasste zusammen: „Es kann nicht nur darum gehen, dass wir den Intelligenzquotient erhöhen. Aus unserer Sicht ist eine umfassende Herzensbildung gefragt.“


Das Evangelium ist Zentrum der Menschenrechte

Europa scheint den Bürgern sehr fern zu sein – obwohl bereits ein Drittel der deutschen Gesetze auf EU-Recht basiert. Deshalb befasste sich die Landessynode mit dem Thema Europa und verabschiedete eine Erklärung zur Europawahl am 7. Juni. Für die „Lebendige Gemeinde“ forderte Franziska Stocker-Schwarz aus Stuttgart, dass auch die Evangelisation ProChrist in ihrer europaweiten Dimension bedacht werden müsse: „An über 1000 Orten werden Christen in 15 Ländern "Pro Christ", für Jesus Christus einstehen. Ich wünsche mir, dass in diesen Tagen, viele Menschen die Quelle für Menschenrechte und Grundwerte des Friedens, für Gerechtigkeit und Freiheit, für Toleranz und Teilhabe und für Solidarität entdecken: die Kraft der Liebe, die Jesus Christus stiftet.“ Steffen Kern, Walddorfhäslach

Beraten und Beschlossen Wenn Sie weitere Informationen wünschen, verweisen wir auf die vom Amt für Information zu jeder Tagung herausgegebene Schrift "beraten und beschlossen", die Sie als PDF-Version auf den Seiten der Landeskirche finden.


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